National Geographic Magazin
Juli 2017
Künstliche Intelligenz: Die Geburt einer neuen Art?
by Redaktion National Geographic Magazin
So oft es geht, verlassen die Entwickler mit Roboter Myon das Labor, damit er möglichst viele Erfahrungen sammeln kann. Die Erinnerung daran wird in seinem Gedächtnis auf SD-Karten gespeichert.
Bild von Neurorobotics Research Laboratory, Berlin

Eine kleine Forschergemeinde will Maschinen entwickeln, die intelligenter sind als Menschen. Wie gehen sie vor? Was treibt sie an? Und was bedeutet das für unsere Zukunft?

Unsere Titelgeschichte im Juli:

Wann ist ein Menschen intelligent? Wenn er besonders gut rechnen kann? Wenn er sich gut in andere hineinversetzen kann? Oder wenn er außergewöhnlich kreativ ist?

Es gibt keine allgemeingültige Definition von Intelligenz. Die Wissenschaftler unterscheiden fünf Formen: die sprachliche, mathematische, technische, musische und emotionale. Zudem spricht man von der „fluiden“ Intelligenz – der geistigen Leistungsfähigkeit, etwa der Geschwindigkeit, in der Informationen verarbeitet werden. Sie nimmt ungefähr ab dem 25. Lebensjahr ab. Eng mit ihr verknüpft ist die „kristalline“, die unter anderem erlerntes Wissen, den Wortschatz und das Ausdrucksvermögen umfasst. Sie kann bis ins hohe Alter hinein wachsen.

Und die künstliche Intelligenz? Den Begriff verwandte der amerikanische Informatiker John McCarthy (1927 bis 2011) erstmals 1956. Auf einer Konferenz wurden Maschinen präsentiert, die Schach und Dame spielen konnten, die also menschliches intelligentes Verhalten zeigten. Heute besiegt das Programm „AlphaGo“ den Menschen im asiatischen Brettspiel Go, was aufgrund der Komplexität bis in das Jahr 2016 als unvorstellbar galt.

Die künstliche Intelligenz erlebt derzeit einen unglaublichen Boom. Globale Unternehmen investieren Milliarden, technologische Entwicklungen wie das sogenannte Deep Learning lassen Netzwerke unfassbare Datenmengen verarbeiten – und so immer klüger werden.

Genau diese Fähigkeit zu lernen lässt die Maschinen uns Menschen immer ähnlicher werden. Doch während wir zum Beispiel für die Führerscheinprüfung monatelang büffeln müssen, braucht der Rechner nur ein Update, um innerhalb weniger Augenblicke fit für die Prüfung zu sein. Er ist uns überlegen – und das macht uns Angst.

Die künstliche Intelligenz wird unser Leben vermutlich stärker verändern als zuletzt das Internet und das Smartphone. Am wichtigsten ist deshalb, dass wir Menschen intelligent mit diesem Thema umgehen. 

Myon ahmt Bewegungen nach, die seine Entwickler ihm vormachen. 20 neuronale Netze, verteilt in seinem Körper, verinnerlichen die Abläufe.
Bild von Neurorobotics Research Laboratory, Berlin