National Geographic Magazin
Mai 2017
Wie entsteht Genie?
by Redaktion National Geographic Magazin
Albert Einstein, der Inbegriff eines Genies
Bild von MPI / Getty Images

Auch 62 Jahre nach seinem Tod ist Albert Einstein noch ein Weltstar, wir stehen sprachlos vor seinen Fähigkeiten. Unter unseren Zeitgenossen sehen wir vielleicht noch den Physiker Stephen Hawking in Einsteins Liga – aber sonst?

Unsere Titelgeschichte im Mai:

Das einzige Werkzeug, das Albert Einstein hatte, war sein Verstand, seine Vorstellungskraft.

In der Relativitätstheorie sagte er voraus, dass sich beschleunigende Objekte – wie zum Beispiel schwarze Löcher, die sich gegenseitig umkreisen – Wellen in der Raumzeit schlagen. Für den Beweis seiner Gedanken brauchte es hundert Jahre, hoch entwickelte Technik und gigantische Rechenleistung: Erst im Jahr 2015 konnten Gravitationswellen nachgewiesen werden. Der Physiker revolutionierte unser Verständnis von den Gesetzen des Universums. Eine unglaubliche Leistung.

Mit ihrem außergewöhnlichen Verstand verändern Menschen wie Albert Einstein die Welt. Bis heute ist aber unklar, wie sein genialer Verstand funktionierte. Was unterscheidet seine Intelligenz und sein Denkvermögen von dem anderer, „nur“ hochintelligenter Mitmenschen? Woran misst sich Genie? Sicherlich nicht nur am Intelligenzquotienten. Er allein sagt nichts darüber aus, ob ein Mensch etwas Außergewöhnliches erschafft, das ist in unserer Titelgeschichte zu lesen.

Aber woran dann? An einem bedeutsamen Werk allein sicher auch nicht. Es gibt viele große Theorien und Kunstwerke, die längst wieder vergessen sind. Waren ihre Schöpfer immer auch genial?

Es muss wohl etwas Bleibendes sein, das den Titel Genie rechtfertigt. Beethovens Neunte. Goethes „Faust“. Das Album „Sign O’ The Times“ von Prince. Viele Männer fallen einem ein, viel zu wenige Frauen. Viele Europäer, viel zu wenige Menschen anderer Kulturkreise.

Wahrscheinlich gibt es viel mehr Genies, als wir glauben.

Einstein ist nicht allein.

Der Mathematiker Terence Tao wurde dank seiner komplexen Formeln berühmt. 2006 gewann er die renommierte Fields-Medaille für seinen „Scharfsinn, der nicht von dieser Welt ist“, wie es in der Begründung hieß.
Bild von Paolo Woods