Akrobatische Unterwasserrolle hilft Blauwal beim Beutefang

Artikel vom 27.11.2012  —  Quelle: dapd
Zwergblauwal

Bild: Shutterstock / Shane Gross Vergrößern

Blauwale sind mit bis zu 30 Metern Größe und 200 Tonnen Gewicht die Größten Tiere der Erde. Nur ein Stück kleiner: Bis zu 24 Meter groß wird der Zwergblauwal (eine Unterart des Blauwals), der hier zu sehen ist.

Blauwale führen bei der Beutejagd ein geradezu akrobatisches Manöver durch: Sie drehen sich blitzschnell einmal um ihre eigene Längsachse, während sie mit weit aufgerissenem Maul in einem Krill-Schwarm schwimmen. Das haben US-amerikanische Forscher entdeckt, als sie Blauwale mit Sensoren und Videokameras ausstatteten. Die 360-Grad-Rolle helfe den Walen, möglichst viele der kleinen Krebse auf einmal ins Maul zu bekommen. Denn durch dieses Manöver könnten sie ihren gewaltigen Unterkiefer gezielt so positionieren, dass er den dichtesten Teil des Schwarms bei der Flucht abfange, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Biology Letters". Die Rolle helfe den Meeressäugern vermutlich aber auch dabei, geeignete Krill-Ansammlungen vor dem Angriff in Augenschein zu nehmen.

Obwohl Blauwale die größten Tiere der Erde sind, ist ihre Beute nur wenige Millimeter bis Zentimeter groß. Denn die bis zu 30 Meter langen Meeressäuger ernähren sich von Krill, kleinen, vor allem in den Polarmeeren verbreiteten Krebstieren. Ansammlungen dieser Krebse fängt der Wal, indem er sie mitsamt dem umgebenden Wasser verschlingt und dann die Beute aus dem Wasser herausfiltert. «Wie effizient diese Strategie ist, hängt jedoch stark davon ab, wie viel Beute er dabei auf einmal erwischt», schreiben Jeremy Goldbogen von der Forschungsorganisation "Cascadia Research Collective" in Olympia und seine Kollegen. Jetzt zeige sich, dass Blauwale ein spezielles Verhalten entwickelt haben, um einen möglichst erfolgreichen Tauchgang sicherzustellen.

Per Saugnapf angeheftete Sensoren verrieten Unterwasserrolle

Für ihre Studie hatten die Forscher im Sommer 2010 22 Blauwalen vor der Küste Kaliforniens jeweils ein Paket von Digitalsensoren per Saugnapf auf den Rücken geklebt. Die Sensorpakete enthielten Unterwassermikrofone, Druckmesser, Beschleunigungsmesser und eine Art Magnetkompass. Im Durchschnitt sieben Stunden lang übermittelten diese Sensoren Messdaten zum Verhalten des Wals, bevor sie von selbst wieder abfielen. Einige Blauwale waren zudem schon zuvor mit einer kleinen Videokamera ausgerüstet worden.

Die Auswertung der Sensordaten ergab, dass die Wale bei ihren Tauchgängen 44 Mal eine 360-Grad-Rolle durchführten. Diese Manöver seien während der Angriffe auf Beute erfolgt oder direkt davor und danach, sagen die Forscher. Bei ruhenden, nahe der Oberfläche schwimmenden Walen habe man dies dagegen nie beobachtet. Nähere Aufschlüsse über den Zweck dieser Rollen gaben die Videodaten: «Sie zeigten aus der Perspektive des Wals, wie er sich einem asymmetrischen Krill-Schwarm von unten näherte und dann rotierte», berichten Goldbogen und seine Kollegen. Dadurch konnte der Blauwal den dichtesten Teil des Schwarms zunächst ins Blickfeld und dann ins Maul bekommen.

Eine solche Rolle führten die Blauwale allerdings nicht bei jedem Tauchgang durch, sondern nur etwa jedes zehnte Mal, wie die Forscher berichten. «Vermutlich nutzen die Meeressäuger diese Strategie nur für dichte Krillschwärme, die von ihrer Größe oder Position her schlecht in normaler Position zu fangen sind», mutmaßen die Biologen. Durch seine im Verhältnis zum Körper relativ kleinen Flossen besitze der Blauwal nur eine eingeschränkte Manövrierfähigkeit, die Rolle helfe ihm daher dabei, seine Beutefang-Strategie zu optimieren.

Von Finn- und Buckelwalen waren schon zuvor ähnliche Rollen bekannt, diese drehten sich aber typischerweise nur bis 90 Grad, selten bis zu 150 Grad. Eine vollständige Rolle wie beim Blauwal hatte man bei den Meeressäugern bisher nicht beobachtet.

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Extras

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