Editorial

Autor: Florian Gless

Liebe Leserin, lieber Leser,

Florian Gless

Bild: Christian O. Bruch Vergrößern

kurz bevor ich dieses Editorial Ende Februar schrieb, hatte die Nasa bekannt gegeben, dass im Sternzeichen Wassermann sieben erdähnliche Planeten entdeckt worden seien. Sechs von ihnen kreisen in der sogenannten habitablen Zone rund um den Stern Trappist-1: Auf ihnen herrschen Temperaturen, bei denen Wasser flüssig bleibt – eine der Grundbedingungen für die Entstehung von Leben. Auf drei dieser Planeten könnte es sogar Ozeane geben, alle sieben sind ungefähr so groß wie die Erde.

Die Entdeckung dieser sieben Exoplaneten (Planeten, die eine andere Sonne umkreisen als unsere) ist eine kleine Sensation. In einer solchen Häufung hatte man erdähnliche Planeten noch nicht gekannt. Jetzt ist die Fantasie der Wissenschaftler entfacht, und nun beginnt die Suche nach Leben. Man wird die neuesten ultrastarken Teleskope Richtung Trappist-1 ausrichten, um zu erkunden, ob auch dort Leben entsteht oder entstanden ist wie hier bei uns auf der Erde.

Im Hintergrund spielt dabei immer auch der Traum vom neuen Heimatplaneten eine Rolle. Wohin soll die Menschheit ausweichen, wenn sie die Erde zugrunde gerichtet hat? Diese Diskussion haben Sie, unsere Leser, schon begonnen, als wir im November die Pläne für eine Mars-Besiedelung beschrieben haben. Völlig zu Recht haben Sie darauf hingewiesen, dass wir uns stärker bemühen sollten, doch erst mal unsere Erde zu erhalten, statt abenteuerliche und kostspielige Pläne für einen Umzug ins Weltall zu schmieden. Was wäre, wenn die Milliarden für die Mars-Eroberung zusätzlich in die Klimawandelforschung gesteckt würden? Der ist und bleibt eine der großen Bedrohungen für die gesamte Menschheit (siehe „Es passiert wirklich!“).

Trappist-1 liegt rund 40 Lichtjahre von uns entfernt, also etwa 370 Billionen Kilometer. Unfassbar weit weg. Alles, was wir bisher von dort wissen, ist lange her, denn das Licht schafft „nur“ 300.000 Kilometer in der Sekunde. Das führt zu Einstein und dem Thema unserer Titelgeschichte über das rätselhafte Phänomen der Zeit. Und die Distanz zeigt: Wir sind hier ganz allein auf unserer Erde. Sie müssen wir bewahren, alles andere bleibt Science-Fiction.

Danke, dass Sie NATIONAL GEOGRAPHIC lesen.

Ihr Florian Gless


(NG, Heft 04 / 2017, Seite(n) 3)