Editorial

Autor: Florian Gless

Liebe Leserin, lieber Leser,

Florian Gless

Bild: Christian O. Bruch Vergrößern

viel ist schon geschrieben worden zum 500. Jahrestag der Reformation. Das aber noch nicht: Der Kölner Germanist Karl-Heinz Göttert, einer der besten Luther-Kenner, richtet für NATIONAL GEOGRAPHIC seinen Blick auf Wittenberg, jenes kurfürstliche Nest in der Provinz, das durch die 95 Thesen weltberühmt werden sollte. Für Göttert machte Luther aus dem Städtchen das „protestantische Rom“ (siehe Seite 90).

Luther befriedigt die Sehnsucht nach Haltung. Er hat sich nicht nur still geärgert, er hat im Kampf gegen die Verhältnisse sein Leben riskiert. Dabei half ihm die wachsende Öffentlichkeit, die er mit seinen Bibelübersetzungen erreichte: Der gerade erfundene Buchdruck machte es möglich.

Schreiben große Figuren Geschichte? Oder sind es die Umstände, die große Männer und Frauen Geschichte machen lassen? Luther jedenfalls war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Es war eine Phase des Umbruchs, mit der Entdeckung Amerikas und des Buchdrucks verschoben sich Gewissheiten.

Und auch das macht Luther aktuell: 500 Jahre nach ihm ist es wieder so weit, die Digitalisierung verändert unser Leben. Irgendwann wird die Menschheit auf diese Zeit zurückschauen und wissen, dass da etwas Neues begann. Wessen Thesen wird sie dann feiern?

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Florian Gless


(NG, Heft 12 / 2016, Seite(n) 3)