Editorial

Autor: Florian Gless

Liebe Leserin, lieber Leser,

Florian Gless

Bild: Christian O. Bruch Vergrößern

die Ermittler und Kriminaltechniker der Polizei lassen sich nicht allzu gern über die Schulter schauen. Das ist verständlich: Bei ihrer Arbeit kommt es auf
 die winzigsten Details an, die einen Täter später überführen können. Da können Reporter und Fotografen gern mal im Weg stehen oder stören.

Die Titelgeschichte in dieser Ausgabe erzählt, mit welcher Akribie und Leidenschaft Forensiker daran arbeiten, DNA-Spuren zu sichern oder auch noch aus verwischten Fingerabdrücken ein klares Bild abzuleiten – immer im Dienste der Wahrheit. Dabei helfen ihnen moderne Wissenschaft und Hightech mit neuen Entwicklungen, die einen immer präziseren Blick auf den Tatort erlauben.

Vieles ist noch im Entwicklungsstadium, vieles noch nicht durch geltendes Recht abgedeckt. Wenn Fernsehserien wie CSI oder der „Tatort“ aus Münster suggerieren, es gebe für einen Mörder kein Entkommen, weil die wissenschaftliche Ermittlungsarbeit ihm keine Chance lässt, bleibt das Fiktion. Aber die Polizei holt auf.

Dabei stellt sich die Frage, wie viel Wissen wir dem Staat um der Sicherheit willen zubilligen wollen. Renommierte Forensiker fordern bereits die Speicherung von DNA-Profilen Neugeborener. Die so gewonnenen Daten könnten später dazu beitragen, jeden Täter zu überführen. Dass dabei auch viele andere Erb-Informationen, wie genetische Erkrankungen, sichtbar werden, ficht die Wissenschaftler nicht an. Aber sind wir wirklich bereit, unsere Freiheitsrechte für maximale Sicherheit aufs Spiel zu setzen? Ich denke nicht.

Nach wochenlangen Recherchen und wiederholten Anfragen gelang es meinen Kolleginnen Veronique Greenwood in den USA und Ines Bellinger hier 
in Deutschland schließlich doch, Zugang in die forensischen Labore zu bekommen. Und so entstanden die Fotos für die Titelgeschichte mithilfe des FBI sowie in den Laboren der Hamburger Gerichtsmedizin. Auch das schleswig-holsteinische Landeskriminalamt in Kiel gewährte uns einen tieferen Einblick in die Arbeit der Kriminaltechniker. Die beiden Reporterinnen trafen Menschen, die im positiven Sinn besessen davon sind, ein Verbrechen aufzuklären. Es ist der Respekt vor den Opfern, der sie antreibt. Dafür verdienen sie unseren Respekt.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Florian Gless


(NG, Heft 07 / 2016, Seite(n) 5)