CO2: 1 Kilo Rindfleisch entspricht 1.600 Kilometer Autofahrt

Artikel vom 25.05.2012  —  Quelle: dapd
Rinderherde Brasilien

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Brasilien ist der weltgrößte Exporteur von Rindfleisch - auf Kosten des tropischen Regenwaldes.

Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. Das ist deutlich mehr als bei vielen vorhergehenden Berechnungen dieser Klimabilanz. Der Grund dafür: Forscher aus Österreich und den Niederlanden haben für die neue Kalkulation auch berücksichtigt, welche Flächen für die Tierzucht und -haltung benötigt werden. Auf dem für die Rinder genutzten Weideland könne kein Wald mehr wachsen, der das Treibhausgas aus der Atmosphäre aufnehme und so das Klima entlaste. Dadurch verschärfe sich der negative Einfluss der Tierhaltung auf das Klima zusätzlich, berichten die Forscher im Fachmagazin "International Journal of Life Cycle Assessment".

Rindfleisch aus Mitteleuropa schneidet in der Bilanz der Wissenschaftler deutlich besser ab, mit umgerechnet 111 Kilometern Autofahrt. Das liegt unter anderem daran, dass hier Rinder für die Fleischproduktion meist in Mastställen gehalten werden und keine großen Weideflächen beanspruchen. Als am klimaverträglichsten unter den Fleischprodukten erwies sich deshalb auch in Europa erzeugtes Hühnerfleisch: Ein Kilogramm des Geflügelfleischs ist nach den Berechnungen der Forscher für den Ausstoß von durchschnittlich 6,4 Kilogramm CO2 verantwortlich, dies entspricht 31 Autokilometern.

Stallhaltung trotzdem ökologisch nicht besser

Das aber heißt nicht, dass die bei uns übliche Stallhaltung der Tiere ökologisch besser sei, betonen die Forscher: "Die industrielle Tierhaltung ist eine Sackgasse, auch wenn sie in der Klimabilanz manchmal besser abschneidet als die Weidehaltung", sagt Erstautor Kurt Schmidinger von der Universität Wien. Würde man statt der Weidenhaltung alle Rinder in Ställen halten und mit Kraftfutter ernähren, bräuchte man dafür mehr Ackerland, um das Tierfutter anzubauen. "Das hätte Konsequenzen für die Welternährungssituation", sagt der Forscher. Auch unter Gesichtspunkten wie globalen Seuchen, Antibiotikaresistenzen, Tierschutz, Biodiversität, Wasserverschmutzung, Bodenerosion und vielen anderen sei die industrielle Tierhaltung sehr problematisch.

"Pflanzliche Lebensmittel hingegen schneiden unter Einbeziehung aller ethischen Aspekte der Welternährung tatsächlich wesentlich besser ab als Tierprodukte", sagt Schmidinger. In der Studie erzielten Pflanzenprodukte die mit Abstand besten Klimawerte: So verursacht die Produktion von einem Kilogramm Tofu umgerechnet 3,8 Kilogramm CO2, das entspricht 19 gefahrenen Autokilometern.

Differenz zum Idealzustand Wald mit einzogen

Für ihre Studie hatten die Forscher die Klimabilanz verschiedener Lebensmittel nach der weltweit gängigen Life Cycle Assessment-Methode ermittelt. Dabei wird berechnet, wie viel CO2 bei der Erzeugung eines Produkts freigesetzt wird - sowohl durch direkte Emissionen wie durch den Energieverbrauch oder den Transport, als auch indirekt, beispielsweise durch die Produktion von Futtermitteln oder anderen Rohstoffen.

Als Neuerung berücksichtigten die Wissenschaftler nun zusätzlich auch die Klimaeffekte, die auftreten, weil die genutzten Flächen nicht mehr als CO2-Senker zur Verfügung stehen. Weideland beispielsweise kann sehr viel weniger CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und im Pflanzenmaterial speichern als ein Wald. Würde man auf diesen Flächen keine Rinder halten, könnten sie daher potenziell das Klima entlasten und damit einen Teil der Treibhausgasemissionen ausgleichen. Diese Differenz zum Idealzustand Wald rechneten die Forscher zur Emissionsbilanz der Lebensmittel dazu und kamen so auf ihre höheren Werte.


Es ist so alltäglich, dass wir gar nicht darüber nachdenken: Wir setzen uns an den Tisch, greifen zu Messer und Gabel und nehmen einen herzhaften Bissen. Das Rindfleisch ist aus Argentinien, die Trauben kommen vielleicht aus Chile, die Bananen aus Honduras, das Olivenöl aus Sizilien und der Apfelsaft nicht aus heimischen Obstgärten, sondern aus China. Unser globales Wirtschaftssystem erspart uns die Mühe, unser täglich Brot selber anzubauen, zu ernten und manchmal sogar zuzubereiten. Wir bezahlen nur noch. mehr...
Meine Frau - ich nenne sie PJ - und ich haben eine neue Diät ausprobiert: nicht um abzunehmen, sondern um eine Antwort in Sachen Klimawandel zu finden. Wie wir wissen, erwärmt sich die Erde schneller, als man noch vor ein paar Jahren vorausgesagt hat. Falls wir den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen nicht verringern, könnten die Folgen dramatisch werden. mehr...

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