Der Handel mit dem Hai

Autor: Juliana Helou van der Berg
Finning

Bild: Jeff Rotman, Pew Environment Group Vergrößern

Beim Finning werden den -meist noch lebendigen- Haien die Flossen abgeschnitten. Die für die Fischer nutzlosen Körper werden direkt auf See zurück ins Wasser geschmissen.

Würden Sie eine Mahlzeit essen, deren Hauptbestandteil eine vom Aussterben bedrohte Art ist?

Seit über 450 Millionen Jahren bevölkern Haie die Ozeane - nun wird ausgerechnet eine Suppe zur immer größeren Gefahr für die Raubfische.

Der Handel mit Haien fordert Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) zufolge mittlerweile bis zu 100 Millionen Hai-Leben jährlich. Schuld daran ist nicht nur die hohe Nachfrage nach Haifischflossen-Suppe, sondern auch das „Finning“.

Beim Finning werden die Flossen – an Rücken, Seite und Schwanz – direkt nach dem Fang abgetrennt, meist lebt das Tier dabei noch. Der Körper wird anschließend wie Abfall wieder über Bord geworfen, um wertvollen Fracht-Platz zu sparen. Der Hai verblutet, wird von Artgenossen gefressen oder erstickt. Denn Atmen kann ein Hai nur, wenn durch Bewegung Wasser und damit Sauerstoff durch seine Kiemen fließt.

Finning ist bereits in vielen Gebieten verboten, aber Sondergenehmigungen und illegale Fischereien nehmen darauf keine Rücksicht.

Eine Suppe als Grund für das Aussterben der Haie?

Für die Fischer ist das Finning ein profitables Vorgehen, schließlich sind die Flossen des Fisches im Verkauf bis zu 250-mal wertvoller als das übrige Hai-Fleisch. Haifischflossensuppe gilt in China als Luxus-Produkt. Mittlerweile kommt die Suppe jedoch immer häufiger auf den Tisch, denn auch Chinas wachsende Mittelklasse will sich das Statussymbol leisten. Am Aroma liegt das übrigens nicht, denn die Flossen des Meeresräubers selbst sind geschmackslos und werden mit Rinder- oder Hühnerbrühe gewürzt.

Zudem gilt die Suppe als medizinisches Wundermittel. Traditionellem Glauben nach soll sie unter anderem potenzsteigernde Fähigkeiten besitzen. Die Wahrheit sieht ganz anders aus: Die Flossen enthalten einen hohen Anteil an Quecksilber und anderen gefährlichen Toxinen. Da Haie am Ende der marinen Nahrungskette stehen, sammeln sich in ihrem Körper sämtliche Gifte des Nahrungsnetzes. Die nimmt der Konsument der Suppe in sich auf.

Finning - ein globales Phänomen

Die vier größten Exporteure der Flossen sind Spanien, Singapur, Taiwan und Indonesien. Sie liefern die Flossen zum Zentrum des Haifischflossen-Handelns: Hong Kong. Über 10.300 Tonnen des Produkts werden jährlich dort umgeschlagen. Bis zu 1000 Euro kann eine Flosse kosten, ein Teller Suppe circa 80 Euro.

Aber auch Deutschland ist nicht unberührt vom Handel mit dem Hai. Als Seeaal oder Schillerlocken kommen Teile des vom Aussterben bedrohten Dornhais auf deutsche Fischmärkte.

Die letzte Generation der Haie?:


Gravierende Langzeitfolgen

Erste Schritte, um die Hai-Populationen zu schonen, wurden bereits eingeleitet: Im vergangenen November stimmte das Europäische Parlament für den Vorschlag der Europäischen Kommission, die bestehenden Lücken im Finning-Verbot zu schließen. Danach dürfen in Europa Haie nur noch im Ganzen gefangen und transportiert werden.

Ein dringend notwendiger Schritt, denn laut IUCN (International Union for Conservation of Nature) sind bereits ein Drittel aller Hai-Arten vom Aussterben bedroht. Spezies wie der Hammerhai oder der Tigerhai sind im Haifischflossenhandel besonders stark vertreten und haben in einigen Regionen bereits einen Rückgang von bis zu 99 Prozent erfahren.

Diese Entwicklung ist besonders prekär: Wird ein für das Ökosystem des Meeres wesentliches Tier aus der marinen Nahrungskette entfernt, riskiert man, damit die Balance der Natur zu stören. Wird aber der Top-Prädator beseitigt, kann das die Lebensordnung der Ozeane komplett auf den Kopf stellen.

Tatsächlich wäre eine Rettung wäre nur durch das vollständige Verbot sämtlichen Haifangs möglich. Das Problem ist, dass die Fische nur langsam wachsen und spät geschlechtsreif werden. Geht die Ausrottung also in dieser Geschwindigkeit weiter voran, hat die Spezies keine Chance mehr, dass sich ihr Bestand erholt.

Anfang des Jahres erreichten die Welt diese Bilder:


Alles über den Handel mit dem Hai und laufende Schutzmaßnahmen finden Sie bei den Non-Profit Haischutz-Organisationen

Shark Savers und Sharkalliance


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