"Die Forschung muss noch wirksamer werden"

Artikel vom 10.05.2013  —  Autor: Lisa Srikiow  —  Bilder: Rat für Nachhaltige Entwicklung
Günther Bachmann

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Dr. Günther Bachmann ist seit 2007 Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung und der Vorsitzende der Forschungspreis-Jury.

Im vergangenen Jahr wurde der Deutsche Nachhaltigkeitspreis für Forschung zum ersten Mal verliehen. Ab sofort können sich Wissenschaftler mit ihren Projekten wieder bewerben, der Wettbewerb läuft bis zum 15. Juni 2013. Der Vorsitzende der Jury, Dr. Günther Bachmann, erklärt im Interview, warum gerade diese Kategorie des Deutschen Nachhaltigkeitspreises so wichtig ist.

Der Forschungspreis wurde im vergangenen Jahr zum ersten Mal verliehen. Wie kam es zu der Ausschreibung?
Der Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Stefan Schulze-Hausmann und ich sind mit der Idee auf das Bundesforschungsministerium zugegangen. Dessen regelmäßige Aktion, das „Wissenschaftsjahr“, widmete sich 2012 nämlich dem Thema Nachhaltigkeit. Wir haben deshalb vorgeschlagen, diesen Preis auszuschreiben. Wir wollen die Kompetenz der Forschung sichtbarer machen, und zugleich auch den Wissenschaftlern selbst signalisieren, wie lohnend es ist, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen.

Warum ist der Forschungspreis so wichtig?
Die Wissenschaft spielt eine sehr große Rolle bei allen Fragestellungen zur Nachhaltigkeit. Aber sie muss noch viel wirksamer werden. Der Preis soll auch in die Wissenschaft hinein wirken. Das wissenschaftliche Experiment muss Wirklichkeit reduzieren, die Ergebnisse aber sollen mit Blick auf die volle Komplexität der Gesellschaft interpretiert werden – wo das geschieht, ist man nahe am Nachhaltigkeitspreis. Wir wollen auch Impulse in die Wissenschaft geben. Bisher ist das ganzheitliche und transdisziplinäre Denken kein Maßstab für wissenschaftliche Exzellenz. Das möchten wir ändern, indem der Forschungspreis Nachhaltigkeit auch in den kommenden Jahren vergeben wird.

Was erhoffen Sie sich von den eingereichten Projekten?
Im vergangenen Jahr waren unter den siebzig Einsendungen viele tolle Projekte. Aber die Wissenschaftler müssen ihre Ergebnisse auch so vermitteln, dass die Gesellschaft und die Unternehmen hellhörig werden. Ich hoffe, dass da mehr passiert.

Wie schwierig ist die Entscheidungsfindung der Jury?
Wir haben ein Luxusproblem. In Deutschland mangelt es uns nicht an guter Forschung und Ideen. Die Abwägung, welche Ergebnisse wir am wertvollsten finden, ist schwierig, auch weil die Themen so unterschiedlich sind. Durchbrüche in der Materialforschung erneuerbarer Ressourcen, zum Beispiel das formbare Holz stehen sozialwissenschaftlichen Themen gegenüber. Überzeugt hat uns letztendlich das Projekt Tomatenfisch, weil es Innovation zum Weltthema Ernährung greifbar macht. Zudem wurde die Grundidee gut kommuniziert. Das war uns wichtig.

Gibt es Fragen im Bereich Nachhaltigkeit, die Sie besonders interessant finden?
Auf viele Fragen kann nur die Forschung Antworten liefern. Mir fällt der Bereich Batterietechnik ein – wie kann man das für Wind- oder Solarenergie nutzbar machen? Oder die Landwirtschaft: Wie kann man das Problem der Eiweißlücke ökologisch lösen? Es sind oft Schnittstellen zwischen mehreren Bereichen, für die wir Lösungsansätze erwarten.

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