Forscher züchten Marathon-Maus

Quelle: ddp
Maus im Laufrad

Bild: Emilia Staslak Vergrößern

Das sogenannte Acetylcholin erhöht bei Mäusen die Leistungsfähigkeit der Muskeln.

US-Forscher haben Mäuse genetisch so verändert, dass sie doppelt so lang in einem Laufrad rennen können wie ihre unveränderten Artgenossen. Dieser Effekt entsteht durch die höhere Konzentration eines Botenstoffs in den Nervenzellen der «getunten» Mäuse: Das sogenannte Acetylcholin erhöht bei den Tieren die Leistungsfähigkeit der Muskeln.

Das Ergebnis könnte den Forschern zufolge zur Entwicklung neuer Medikamente und Therapiemöglichkeiten bei nervlich bedingten Muskelerkrankungen beitragen. Zudem soll Acetylcholin auch eine Rolle bei der Entstehung von Hirnerkrankungen wie Alzheimer spielen. Medikamente, die in dieses Botenstoffsystem eingreifen, könnten demzufolge auch hier neue Behandlungsstrategien ermöglichen, sagen die Wissenschaftler. Das Team um Randy Blakely von der Vanderbilt University School of Medicine in Nashville berichtet über seine Studienergebnisse im Fachmagazin «Neuroscience».

Die Bedeutung von Acetylcholin bei der Funktion von Nerven ist bereits seit langem bekannt. Die Forscher wollten durch ihre Experimenten nun feststellen, ob durch die Veränderung der Menge dieses Neurotransmitters Leistungssteigerungen bei der Muskelkontraktion erreicht werden können. Dazu bauten Blakely und seine Kollegen in das Erbgut ihrer Versuchstiere ein zusätzliches Gen ein, das die Produktion eines Proteins namens Cholin-Transporter in den Enden der Muskelnerven erhöht. Dieser Transporter liefert Cholin an, die Vorstufe des Acetylcholins. Eine verstärkte Bereitstellung dieses Ausgangsstoffes könnte auch die Menge des Endproduktes erhöhen, hofften die Forscher.

Dieser Effekt trat bei den Versuchstieren auch tatsächlich ein, einschließlich einer enormen Steigerung ihrer Ausdauer: Während die normalen Mäuse schon längst ein Päuschen einlegen mussten, rannten die Marathon-Mäuse teils noch doppelt so lange im Laufrad weiter, so das Ergebnis der Vergleichstests.

Ein Zusammenhang mit Defiziten bei der Versorgung mit Acetylcholin ist von einer Reihe bedeutender Krankheiten wie Muskeldystrophie, Herzinsuffizienz, Depressionen, Schizophrenie, Alzheimer und Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung bekannt. «Nerven nutzen für eine Vielzahl von Funktionen Acetylcholin?, betont Blakely. Informationen über Möglichkeiten, in diese Systeme steuernd einzugreifen, böten deshalb wichtige Anhaltspunkte zur Entwicklung neuer Medikamente und Therapieformen.



Extras
  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus