Jagd auf Haie hinterlässt Spuren

Quelle: ddp
Orcas

Bild: Shutterstock Vergrößern

Die Jagd auf Haie hinterlässt bei vielen Orcas stumpfe Zähne.

Einige Orcas haben eine Vorliebe für Haifischfleisch - und bezahlen dafür mit einem stumpfen Gebiss: Die raue Haut der Beute raspelt die Zähne der Schwertwale bis auf das Zahnfleisch ab. So erklärt sich zumindest eine Gruppe kanadischer und US-amerikanischer Forscher die Stummelzähne, die sie bei Hochsee-Orcas aus dem Nordost-Pazifik entdeckten. Im Umfeld dieser Tiere fanden die Wissenschaftler auch Reste der Haifisch-Kost, während Orcas, die nahe der Küste leben, sich offenbar vor allem von anderen Fischen und Seelöwen ernähren.

Frühere Studien hatten bereits einen Unterschied im Erbgut dieser Schwertwalgruppen gezeigt. Das abweichende Verhalten stütze nun die These, dass es sich wohl um verschiedene Arten der Meeressäuger handelt, sagen die Forscher. Über die Arbeit der Meeresbiologen um John Ford von der Pacific Biological Station im kanadischen Nanaimo berichtet der Online-Dienst des Fachmagazins «Nature». Es sei sehr schwierig, Informationen über das Fressverhalten der Orcas auf hoher See zu gewinnen, da sie in Tiefen von mehreren hundert Metern jagen, berichten die Forscher. Nur in zwei Fällen gelang es, indirekt auf dieses Verhalten zu schließen: Die Biologen beobachteten die in Gruppen jagenden Tiere bei langen Tauchgängen und fanden anschließend frische Fleischfetzen, die an der Oberfläche trieben. Die Analyse dieser Beutereste ergab, dass den Mahlzeiten in der Tiefe mindestens 16 Exemplare des Pazifischen Schlafhais zum Opfer gefallen waren. Diese Haiart erreicht über vier Meter Länge und lebt im Tiefenwasser des Pazifiks.

Die ungewöhnliche Kost liefert laut den Forschern auch die Erklärung für das seltsame Phänomen, das die Forscher häufig bei gestrandeten Exemplaren der Hochsee-Orcas feststellen: Die Zähne der Tiere sind fast bis auf das Zahnfleisch abgenutzt. Bei den Schwertwalen von der Küste bleibt das Gebiss dagegen scharf. Die Erklärung der Forscher dazu erscheint einleuchtend: Haifische haben eine sehr harte und raue Haut. Die Jagd auf diese Beute verursacht bei den Walen folglich mehr Zahnabnutzung als der Biss in einen vergleichsweise weichen Fisch oder einen Seelöwen. Möglicherweise ernährten sich auch nur die jungen Tiere der Hochsee-Orcas bevorzugt von Haien, spekulieren die Biologen: Ähnlich wie bei älteren Menschen würden sich dann die Senioren der Schwertwale nach und nach eher weicherer Kost zuwenden, nachdem sie den scharfen Biss eingebüßt hätten.

Die Erkenntnisse über das unterschiedliche Fressverhalten der Gruppen stärken die gegenwärtige Ansicht, dass nicht alle Schwertwale der gleichen Art angehören. Es scheint mindestens drei eigenständige Arten und zudem weitere Unterarten dieser Wale zu geben, die in den Ozeanen rund um die Welt vorkommen. Das hatten auch genetische Analysen dänischer Forscher kürzlich nahegelegt. Die Kenntnis des unterschiedlichen Fressverhaltens der Wale könnte auch eine große Bedeutung für den Schutz der Tiere haben, meinen die Forscher. Sie zeige beispielsweise, dass die Küsten-Orcas nicht einfach den Platz ihrer Verwandten aus der Hochsee übernehmen könnten, sollten diese aussterben. «Es handelt sich um kleine Populationen, die empfindlich auf Veränderungen ihrer Nahrungsquellen reagieren», erklärt Ford. Schätzungen zufolge gibt es zwischen Kalifornien und Alaska nur noch etwa 500 Hochsee-Orcas.



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