Jüngster Menschenaffe Europas entdeckt

Artikel vom 16.01.2011  —  Quelle: dapd
Gorilla

Bild: Shutterstock Vergrößern

Menschenaffen waren noch vor 7 Mio. Jahren in Europa beheimatet. Die Evolution könnte sich teilweise auch hier abgespielt haben.

Auch in Europa lebten noch vor sieben Millionen Jahren Menschenaffen - und damit deutlich länger als bisher angenommen. Das belegt der Zahn eines Affen, den Wissenschaftler nahe der bulgarischen Stadt Chirpan gefunden haben. Mit seinem dicken Zahnschmelz sei der Zahn typisch für einen Hominiden, einen Vertreter der Primatengruppe, zu der Menschenaffen und Menschen gehören. Seine Datierung auf sieben Millionen Jahre alt mache ihn zum jüngsten bekannten Relikt eines vormenschlichen Hominiden auf den europäischen Kontinent, berichten die Forscher im Fachmagazin "Journal of Human Evolution".

Bisher gingen Forscher davon aus, dass die Vorfahren von Menschenaffen und Vormenschen in Europa bereits vor rund neun Millionen Jahren ausstarben. Damals veränderten sich in Europa die Ökosysteme, savannenartige Landschaften mit jahreszeitlich stark wechselndem Klima entstanden. Menschenaffen als typische Fruchtfresser konnten dort nicht überleben, so glaubte man, weil es über Monate hinweg an Früchten gefehlt hätte.

Doch der Fund des Backenzahns zeige nun, dass die Menschenaffen Europas sehr wohl in der Lage gewesen seien, sich an das wechselnde Klima einer Savanne anzupassen, sagen Nikolai Spassov vom Nationalmuseum für Naturgeschichte im bulgarischen Sofia und seine Kollegen. Denn der Zahn sei inmitten von Fossilien einer typischen Savannen-Fauna entdeckt worden, darunter mehrere Elefantenarten, Giraffen, Antilopen, Nashörner und Säbelzahn-Katzen.

Anpassung an harte Savannen-Nahrung

Auch die Merkmale des Zahns deuten auf eine gute Anpassung des Menschenaffen an die Savanne hin, wie die Forscher berichten. Die rasterelektronenmikroskopische Untersuchung der Kauflächen zeigte, dass der bulgarische Menschenaffe nicht nur Früchte, sondern härtere Nahrung wie Gräser, Samen und Nüsse zu sich nahm.

Darin ähnele seine Ernährungsweise jener der afrikanischen Vormenschen vor rund vier Millionen Jahren, erläutern die Wissenschaftler. Der Zahn sei stark abgenutzt und gehörte daher vermutlich zu einem älteren Individuum.

Neue Hinweise auch für die Evolution des Menschen

"Auch was die Evolution des Menschen betrifft, muss man nun völlig neu darüber nachdenken, wo sie sich abgespielt hat", sagt Mitautorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology an der Universität Tübingen.

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Evolution des Menschen ausschließlich in Afrika stattfand und die Menschen von dort in andere Kontinente auswanderten. "Es mehren sich aber die Hinweise, dass sich ein gewisser Teil der menschlichen Evolution auch außerhalb Afrikas, in Europa und Westasien, ereignete", sagt die Forscherin.


Die Ahnentafel der Menschheit ist um eine Art reicher: In einer Höhle in Südafrika bei Malapa hat ein internationales Forscherteam zwei Skelette einer bisher unbekannten Hominiden-Spezies entdeckt. mehr...
Die Menschenaffen haben Familienzuwachs bekommen: Forscher vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen haben zusammen mit US-amerikanischen und vietnamesischen Wissenschaftlern eine bisher unbekannte Gibbonart identifiziert, die in Südostasien zu Hause ist. mehr...
Zeresenay Alemseged hat zwei Kinder. Das eine, der kleine Alula, liegt die meiste Zeit in den Armen seiner Mutter in einem gemütlichen Bungalow der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Das andere, ein dreijähriges Mädchen, war 3,3 Millionen Jahre lang in Sandstein eingeschlossen, bis der äthiopische Wissenschaftler und sein Team es entdeckten und freilegten. mehr...
Die Sonne geht rasch auf, die Dämmerung weckt eine Gruppe von 34 Schimpansen. Die Affen liegen in ihren Baumnestern, die sie am Vortag gebaut haben. Wilde Schimpansen stehen nicht leise auf, sondern mit viel Getöse. Für die Geräusche, die ich höre, gibt es Fachausdrücke: Keuchheulen, Keuchbellen, Schreie, doch in den Ohren eines Neulings klingt es einfach wie ziemlich verrückter Lärm. mehr...
Die unterschiedlichen Verhaltensweisen von Schimpansengruppen sind offenbar nicht nur durch unterschiedliche Lernprozesse zu erklären. Stärker als bisher gedacht könnten gruppentypische Verhaltensweisen auch genetisch bedingt sein. mehr...

  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus