Kannibalismus im Weltall

Quelle: ddp
Kannibalismus im Weltall

Bild: R. Jay Gabany (Blackbird Obs.) in Zusammenarbeit mit D. Martínez-Delgado (MPIA und IAC) et al. Vergrößern

Spirale frisst Zwerg: Spiralgalaxien wie die Milchstraße wachsen, indem sie sich kleinere Galaxien einverleiben.

Einer internationalen Forschergruppe um David Martínez-Delgado vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg ist es nun gelungen, diese verräterischen Sternenranken auch außerhalb unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, nachzuweisen. Durch diesen Fortschritt könnten in Zukunft Vorhersagen zur Häufigkeit galaktischer Verschmelzungen getroffen werden, berichtet das Institut. 



Kommt eine kleinere Galaxie einer Spiralgalaxie zu nahe, fällt sie der Gravitationsanziehung der größeren Galaxie zum Opfer. Über Milliarden Jahre hinweg entwickeln sich dadurch verschiedene Verschmelzungsspuren, unter anderem die typischen rankenartigen Strukturen, sogenannte Gezeitenströme. Im Laufe weiterer Millionen Jahre vermischen sich diese komplett mit den Sternen der Spiralgalaxie.



In der Umgebung der Milchstraße sind derartige Spuren des galaktischen Kannibalismus bereits seit über zehn Jahren bekannt. In ihrem Projekt erforschten die Wissenschaftler nun darüber hinaus Spiralgalaxien in bis zu 50 Millionen Lichtjahren Entfernung und fanden dabei ebenfalls die Leuchtspuren von Zwerggalaxien, die von Spiralgalaxien verspeist worden waren. Für ihre systematische Durchmusterung nutzen die Astronomen die Teleskope von drei Privatsternwarten in den USA und Australien und statteten sie mit hochempfindlichen CCD-Kameras aus. 



Die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftler ermöglichen quantitative Tests zur Evolution der Galaxien, anhand derer untersucht werden kann, ob die bisherigen Modelle stimmen und ob sie die Häufigkeiten galaktischer Verschmelzungen korrekt vorhersagen.



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