Bild: Shutterstock Vergrößern
Leidtragende des Klimawandels: Tropenbewohner wie der Grüne Leguan müssen ihre Körpertemperatur der neuen Umgebungstemperatur anpassen.
Der Klimawandel bedroht die Ökosysteme in den Tropen mehr als die in den kühleren Zonen, obwohl die Temperaturen in Äquatornähe weniger steigen. Das schließen US-Forscher aus einer Auswertung von Temperaturdaten der vergangenen 50 Jahre.
Der Grund dafür liege in den Auswirkungen auf den Stoffwechsel der tropischen Tiere: Die Erhöhung der ohnehin schon recht warmen Temperaturen steigert die Stoffwechselrate der wechselwarmen Tropenbewohner, die ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur anpassen. Das Leben der Insekten, Reptilien und Amphibien wird sich dadurch grundlegend verändern - und das wird sich über die Nahrungsketten auf das gesamte tropische Ökosystem auswirken, schreiben die Forscher um Michael Dillon von der University of Wyoming in Laramie im Fachmagazin "Nature".
Das Ziel der Wissenschaftler war, die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben wechselwarmer Tiere in unterschiedlichen Regionen der Erde zu untersuchen. Als Grundlage für ihre Studie dienten den Forschern die Daten aus insgesamt fast 500 Millionen Temperaturmessungen. Diese wurden an 3.000 verschiedenen Messstationen aufgenommen, die über alle Regionen der Erde mit Ausnahme der Antarktis verteilt waren. Die Daten zeigen seit 1980 einen Anstieg der Temperaturen und bestätigen in diesem Punkt andere Studien. Die Werte stiegen in der Arktis am schnellsten, gefolgt von den gemäßigten Zonen. In den Tropen war der Temperaturanstieg am geringsten.
Trotz des stärkeren Temperaturanstiegs in der Arktis und den gemäßigten Zonen sind die Veränderungen im Stoffwechsel der wechselwarmen Tiere hier allerdings nicht am größten, sagen die Wissenschaftler. Computermodelle zeigen, dass der Stoffwechsel mit steigender Temperatur zunehmend stärker angeregt wird. Das bedeutet, die relativ niedrigen Temperaturerhöhungen in den Tropen, in denen es sowieso schon sehr warm ist, haben größere Auswirkungen auf die dortigen Lebewesen.
Mit der erhöhten Stoffwechselrate brauchen die Tiere mehr Nahrung und verlieren mehr Wasser durch Verdunstung, sind sich die Wissenschaftler sicher. Deshalb werde mehr Zeit und Energie für die Futtersuche benötigt, was auf Kosten der Fortpflanzungsrate gehe. Diese Veränderungen im Leben der wechselwarmen Tiere würden sich letztendlich auf das gesamte tropische Ökosystem auswirken, das einen großen Anteil der Biodiversität der Erde ausmache, sind die Forscher überzeugt.
DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion
blog comments powered by Disqus