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Aufzeichnungen von Erdbebenwellen in verschiedenen Tiefen belegten, dass die Mangroven-Schichten als effizienter Dämpfer wirken.
Uralte, abgestorbene Mangrovenwälder können vor zerstörerischen Erdbebenwellen schützen. Zu diesem Ergebnis kommen französische Wissenschaftler, die auf der Karibikinsel Guadeloupe die Wirkung von Erdbeben genau analysiert haben. Sie bohrten an mehreren Stellen im Küstenbereich bis in 40 Meter Tiefe. Mit zahlreichen Sensoren ermittelten sie die Ausbreitung von Bebenwellen und stellten fest, dass diese durch eine Schicht abgestorbener Mangrovenwälder effizient gedämpft wurden. Da solche Mangroven-Schichten an vielen Stellen in der Karibik vorkommen, haben sie eine große Bedeutung für den natürlichen Erdbebenschutz der seismisch sehr aktiven Region. Über die Ergebnisse ihrer Studie berichten die Wissenschaftler im Fachblatt «Bulletin of Seismological Society of America».
Mangroven-Böden seien an den Küsten der Karibik weit verbreitet, schreiben Philippe Gueguen und seine Kollegen von der Universität Joseph Fourier in Grenoble. Mit Hilfe von insgesamt drei Bohrungen erkannten sie, dass sich an den ausgewählten Stellen unter einer etwa vier Meter dicken, sandigen Sedimentschicht bis zu 33 Meter dicke Mangroven-Schichten befinden. Mit empfindlichen Beschleunigungssensoren in den Bohrlöchern analysierten sie 62 Erdbeben der vergangenen Jahre. Diese zeigten auf der Magnituden-Skala, mit der Erdbeben-Stärken gemessen werden, Werte zwischen 2 und 6,4. Die Aufzeichnungen der Erdbebenwellen in verschiedenen Tiefen belegten, dass die Mangroven-Schichten als effizienter Dämpfer auf die sonst zerstörerischen Bodenerschütterungen wirkten.
Erdbeben destabilisieren sandigen Boden
Eine große Gefahr bei Erdbeben auf den Karibikinseln geht von der oberen, sandigen Sedimentschicht aus. Ist diese mit Wasser durchtränkt, kann es durch die Erschütterungen zu einer sogenannten Verflüssigung des Bodens kommen. Dadurch verliert der Boden an Stabilität und Häuser stürzen ein. Genau dieser Effekt wird dank der abgestorbenen Mangrovenwälder deutlich gemindert. Laut Gueguen verhinderten solche Mangroven-Schichten größere Schäden nach einem Beben der Magnitude 7,4 im Jahre 2007 auf der Insel Martinique.
Mit weiteren Bodenuntersuchungen in der Karibik könnten nun bisher unbekannte Mangroven-Schichten im Untergrund aufgespürt werden. Diese Areale böten einen natürlichen Erdbebenschutz und könnten bevorzugt besiedelt werden, sagen die Forscher. Moderne Bauten, beispielsweise in Kalifornien oder Japan, nutzen bereits heute riesige Gummikissen als Erdbebendämpfer. In der Karibik können sich nur wenige Menschen diese kostspieligen Fundamente leisten, doch das Wirkprinzip der abgestorbenen Mangrovenwälder ist laut den Wissenschaftlern mit diesen Kissen vergleichbar.
Ein Aufforsten von Mangrovenwäldern wird zwar keinen Schutz vor Erdbeben liefern können. Aber sie stabilisieren die Küstenbereiche und mindern dadurch die Folgeschäden nach Sturmfluten oder Tsunamis.
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