Afrika: 500 Elefanten ziehen um

Autor: Alexandra Polič  —  Bilder: African Parks-Frank Weitzer
Afrika: 500 Elefanten ziehen um

Im Süden Afrikas bekommen 500 Elefanten ein neues Zuhause. Ein Team der Nichtregierungsorganisation African Parks transportiert die Tiere im Rahmen der Aktion „500 Elephants“ 450 Kilometer durch Malawi. Der deutsche Fotograf und Wildnisführer Frank Weitzer dokumentiert das Projekt fotografisch.

Frank Weitzer

Bild: African Parks-Frank Weitzer Vergrößern

Frank Weitzer während eines Tiertransports im Rahmen der Umsiedlung von 500 Elefanten innerhalb Malawis

Herr Weitzer, wie sind Sie zu diesem Projekt gekommen?
Ich habe 2010 am Wildlife College in Südafrika eine Ausbildung zum Naturführer und Ranger gemacht. Eigentlich habe ich davor Anglistik, Amerikanistik und Erziehungswissenschaft in Deutschland studiert und danach einige Jahre als Sozialpädagoge gearbeitet. Aber mit der Ausbildung in Afrika habe ich mir vor sieben Jahren einen Kindheitstraum erfüllt.

Kann man denn so einfach Wildnisführer in Afrika werden?
Ja, das kann man tatsächlich. In Südafrika gibt es einige Schulen, die zum Wildnisführer ausbilden. Gutes Englisch ist allerdings eine wichtige Voraussetzung. Und ich musste unter anderem den Waffenschein erwerben. Danach erhält man ein Zertifikat, das auf Lebenszeit gültig ist. Nach dem Abschluss arbeitete ich drei Jahre lang im Liwonde-Nationalpark und habe dort Besucher durch den Park geführt. 2015 übernahm die Nichtregierungs-Naturschutzsorganisation African Parks das Management. Wenig später fragten sie mich, ob ich die Umsiedlung der Elefanten fotografisch dokumentieren möchte.

Warum unterstützt eine NGO einen Nationalpark? Werden die nicht von öffentlicher Seite gesteuert?
African Parks verwaltet gemeinsam mit dem Malawi Department of National Parks and Wildlife drei Nationalparks in Malawi. Insgesamt hat die NGO in zehn Parks in Afrika das Langzeit-Management übernommen. Sie arbeitet dabei aber immer eng mit den jeweiligen Regierungen sowie lokalen Behörden und Kommunen zusammen. Der Grund für die Übernahme: Die gemeinnützige Naturschutzorganisation verfügt dank jahrzehntelanger Erfahrung über die notwendigen Ressourcen und Experten, um in Bedrängnis gekommenen Parks zu helfen. Sie verbessert Infrastrukturen und bezieht auch die Bevölkerung in die Belange der Parks mit ein. So werden die Parks umgewandelt, neue Zäune gebaut – und Projekte wie „500 Elephants“ möglich.

Können Sie kurz beschreiben, worum es dabei geht?
African Parks hat es sich zum Ziel gemacht, die Artenvielfalt in Afrika wieder aufzubauen. Im vergangenen Jahr haben wir deswegen bereits 250 Elefanten aus dem Süden vom Liwonde-Nationalpark in das Schutzgebiet Nkhotakota Wildlife Reserve im Zentrum Malawis transportiert. In diesem Sommer sollen 250 weitere aus dem Liwonde National-Park und aus dem Majete Wildlife Reserve folgen. Im Rahmen der Aktion werden zudem 1500 Tiere anderer Arten umgesiedelt, wie zum Beispiel verschiedene Antilopenarten, Warzenschweine, Zebras und Büffel.

So viele Tiere zu transportieren klingt nach einem enormen logistischen Aufwand.
Deswegen gab es monatelange Vorbereitungen. Neue Straßen mussten gebaut und Brücken verstärkt werden. African Parks informierte die umliegenden Dörfer und Stammeshäuptlinge, und arbeitet weiterhin eng mit den Kommunen zusammen, um die Aktion abzuschließen. Auch die erforderlichen Betäubungsmittel mussten über einen Zeitraum von zwei Jahren bestellt werden, da solch große Mengen in Afrika oft nicht auf einmal verfügbar sind. Das Umsiedeln ist außerdem nur in den kältesten Wochen des Jahres, in den Monaten Juni und Juli, möglich. Wenn die Temperaturen über 24 Grad steigen, besteht die Gefahr, dass die Elefanten beim Transport überhitzen. All diese Vorkehrungen garantieren das Wohlbefinden der Elefanten.

Warum ist es so wichtig, die Elefanten umzusiedeln?
Die Elefantenpopulation ist in den vergangenen Jahren stark eingebrochen. Vor hundert Jahren gab es noch zehn Millionen Elefanten in Afrika – heute sind es 350.000. Trotzdem haben die Elefanten im Liwonde-Nationalpark nicht genug Platz, weil die menschlichen Siedlungen sich immer weiter ausdehnen. Der knappe Lebensraum führt dazu, dass die Tiere auf der Suche nach Futter in die Dörfer vordringen. Wir nennen das den Human-Wildlife-Conflict. Und in Malawi, einem der am dichtesten bevölkerten Länder Afrikas, gibt es keine natürlichen Korridore mehr für die Tiere. Sie leben in den Nationalparks. Zusätzlich hat die Umsiedlung (Anmerkung d. Redaktion: Sehen Sie den genauen Ablauf des Transports in unserer Bildergalerie) auch positive wirtschaftliche Auswirkungen auf Malawi. Einerseits schafft die Aktion Arbeitsplätze für Menschen aus der Region. Andererseits regen die Artenvielfalt und solche Projekte den Tourismus an.

Und die Tiere überstehen die Reise unbeschadet?
Ja, es ist schon immer wieder erstaunlich zu sehen, wie ruhig die Tiere sich verhalten und wie problemlos der Transport abläuft. Als hätten sie diesen ganzen Prozess eingeübt. Kein einziges Tier musste nachbehandelt werden. Solange die Herde beisammen bleibt, haben die Elefanten kein Problem mit der Umsiedelung und der neuen Umgebung.

Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein bewegender Moment

Bild: African Parks-Frank Weitzer Vergrößern

Ein Elefant legt dem Baby seinen Rüssel um das Ohr – und bewegt es, mit ihm in die Transportbox zu kommen.

Einmal hatten wir eine kleine Herde in einer Aufwachbox, etwa sechs oder sieben Tiere. Alle Elefanten standen auf und gingen in die Transportboxen – nur ein Baby wollte sich nicht bewegen. Nun stand es da ganz alleine. Wir mussten aber gleichzeitig die Türen schließen, damit die anderen Tiere nicht wieder umdrehen würden. Nur einen kleinen Spalt konnten wir öffnen: breit genug für einen Elefanten, um seinen Kopf und Rüssel durchzustecken. Vermutlich war es seine Mutter, die dann den Rüssel ausstreckte und dem Baby um ein Ohr legte. Etwa eine Minute verharrten sie in dieser Position. Alle warteten gespannt, was passieren würde. Am Ende senkte das Junge beinahe demütig seine Ohren und kam bereitwillig mit. Das ganze Team klatschte. Das war ein schöner Moment – und er zeigt auch, wie sehr die Tiere diesen Menschen am Herzen liegen.

Werden Sie das Projekt diesen Sommer erneut begleiten?
Ja, ich freue mich sehr darauf, meine Kollegen wiederzusehen. Wir haben immerhin sechs Wochen lang intensiv miteinander gearbeitet. Da sind einige Freundschaften entstanden. Und mit Tieren in freier Wildbahn zu arbeiten war, wie gesagt, schon immer mein Kindheitstraum.

  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus