Brückenbauer aus Jena: „Global denken, lokal handeln“

Artikel vom 14.09.2015  —  Quelle: IYGU-Generalsekretariat  —  Bilder: Foto: Anne Günther/FSU Jena
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Es war ein langer Kampf: Vor sechs Jahren hatte Benno Werlen, Sozialgeograph an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Idee, 2016 zum „Internationalen Jahr des globalen Verstehens“ zu machen. Nun riefen die drei Weltdachverbände der Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften das Jahr 2016 zum "International Year of Global Understanding" (IYGU) aus. Dabei handelt es sich um eine globale Aktion, die Themen wie Umweltschutz und Klimapolitik in den öffentlichen Fokus rücken will.

„Denke global, handle lokal!“ Jeder kennt diesen Satz. Doch für Wissenschaftler hat er noch nicht die erhofften Ergebnisse gebracht. Noch fehlt das Verständnis für lokale und globale Zusammenhänge. Mit einem internationalen Themenjahr will Benno Werlen von der Friedrich-Schiller-Universität Jena dies ändern: „Wir wollen Brücken zwischen globalem Denken und lokalem Handeln bauen. Nur wenn wir die Auswirkungen unserer alltäglichen Entscheidungen - beispielsweise beim Essen oder Trinken - als Ganzes verstehen, können wir sinnvolle und effektive Veränderungen vornehmen.“

Im Fokus des "International Year of Global Understanding" 2016 steht die Übersetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in eine nachhaltigere Lebensweise. „Nachhaltige Entwicklung ist eine globale Herausforderung. Ihr zu begegnen erfordert eine Transformation des Lokalen und damit die Art, wie jeder von uns lebt, konsumiert und arbeitet“, so Yuan-Tseh Lee, Nobelpreisträger und ehemaliger Präsident des International Council for Science (ICSU).

Durch das IYGU sollen die Menschen dabei unterstützt werden, ihre alltäglichen Gewohnheiten zu verändern. In rund 50 Regionalzentren soll jeden Tag des Jahres 2016 ein Praxisbeispiel in der jeweiligen Landessprache beworben werden. Diese „Fibeln des Alltags“ sollen zudem auf kulturelle und lokale Vielfalt hinweisen und einen entsprechenden Wandel anstoßen.

Als ein eindrückliches Beispiel dafür, wie kulturell sensible Wissenschaft eine Veränderung von Alltagspraktiken im Sinne globaler Nachhaltigkeit erreichen kann, führt Benno Werlen die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll in Ruanda an. Werlen sagt: „Ein verbreitetes und hartnäckiges Problem. Ausschlaggebend war schließlich die Einsicht, dass Plastik für wiederkäuende Tiere – insbesondere für die in Ruanda kulturell bedeutsamen Kühe – gefährlich ist. Schließlich nahm sich die Umweltgesetzgebung des Problems an. Aus Plastik hergestellte Gegenstände wie Flaschen, Tüten usw. wurden verboten, mit dem Ergebnis, dass heutzutage in Ruanda kaum noch Gegenden zu finden sind, die durch Plastikmüll verschmutzt sind."

Der Aufbau des Netzwerks von regionalen Aktionszentren ist in vollem Gange. Städte wie Peking, Mexiko-Stadt und Sao Paulo haben der Ansiedlung von Regionalzentren bereits zugestimmt. Mit Institutionen in Tokio, Washington, Tunis oder Moskau werden derzeit Verhandlungen geführt. Die Koordination dieser Zentren wird vom IYGU-Generalsekretariat in Jena übernommen.

Weitere Informationen zum "International Year of Global Understanding" erhalten Sie unter www.global-understanding.info.

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