Die Essens-Retter

Autor: Tanja Krämer  —  Bilder: Eva Häberle

Unsere Welt kann nur dann dauerhaft lebenswert bleiben, wenn wir uns am Prinzip der NACHHALTIGKEIT orientieren. Wir stellen Menschen vor, die ökologisch, ökonomisch oder sozial nachhaltig handeln. Diesmal: Sieben engagierte Zeitgenossen, die auf kreative Weise mit der LEBENSMITTELVERSCHWENDUNG Schluss machen.

Es gibt viele Orte, an denen Lebensmittel abhanden kommen können. Kartoffeln bleiben auf dem Acker liegen, Äpfel fallen ungepflückt vom Baum. Eingedrückte Joghurtbecher und Brote vom Vortag verschwinden nach Ladenschluss in den Abfallcontainern von Supermärkten und Bäckereien. Rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen Jahr für Jahr in Deutschlands Mülleimern. Jeder Bürger, haben Forscher errechnet, wirft 81,6 Kilo Essen weg.

Wie leicht es sein kann, Essbares vor dem Müll zu retten, zeigen die folgenden Geschichten. Sie erzählen von Menschen, die mit ihren Initiativen und Projekten an ganz unterschiedlichen Stellen der Verwertungskette ansetzen. Und die zweierlei verbindet: Enthusiasmus und die pure Lust am Essen.

Culinary Misfits: Ein Herz für krumme Möhren

Fußballgroße Rote Bete, verzwirbelte und miteinander verwachsene Karotten, pockennarbige Zucchini: Die Gemüse, für die sich Lea Brumsack und Tanja Krakowski aus Berlin begeistern, sind wahrlich keine Schönheiten. Zumindest in den Augen der meisten Verbraucher. «Im Bioladen oder Supermarkt findet man selten deformiertes Gemüse», sagt Lea Brumsack. «Die Menschen möchten „schöne“ Ware und sind nicht bereit, beim Aussehen Abstriche zu machen.» So gelangen meist nur noch kerzengerade Rüben, ebenmäßig gerundete Kartoffeln oder handgroße Kohlrabi in die Auslagen der Geschäfte. Der unansehnliche Rest bleibt auf dem Acker oder wird verfüttert. «Bei vielen Bauern ist das die Hälfte der Ernte.»

Den beiden jungen Produktdesignerinnen aber haben es die krummen Rüben angetan. Im November 2011 gründeten sie „Culinary Misfits“, ein Catering-Unternehmen, das ausschließlich vom Handel verschmähtes Gemüse auf den Tisch bringt. Ihr Slogan: «Esst die ganze Ernte!»

Die Dreibeiner-Möhrchen und Tentakel-Pastinaken, die sie zubereiten, beziehen die Frauen von zwei Biohöfen nahe Berlin. Anfangs standen sie dort noch selber auf dem Acker, klaubten in Gummistiefeln und mit erdigen Knien Kartoffeln auf oder pflückten Zucchini, die nach Hagelschäden sichtbare Narben aufwiesen. Heute stellen ihnen die Bauern das Gemüse in Kisten zusammen.

Wenn sie nicht gerade mit ihrem Catering-Service beschäftigt sind, tüfteln die beiden Frauen neue Rezepte aus, kochen Marmeladen und Chutneys und legen Gemüse in Weckgläsern ein.

Hin und wieder präsentieren sie ihre kulinarischen Sonderlinge mit einem kleinen, selbstgezimmerten Holzstand auch auf Märkten, wo sie ihre Botschaft mit Charme und Witz an Mann und Frau bringen. «Wir müssen aufhören, unser Gemüse einem Schönheitsideal zu unterwerfen», sagt Tanja Krakowski. «Müssen wieder lernen, den Formenreichtum der Natur wertzuschätzen.» Das scheint nötig: Es kam schon vor, berichtet Lea Brumsack, dass Kunden fragten, ob sie selber die Feldfrüchte so merkwürdig verformt hätten.

«Unser Gemüse hat Charakter. Es gibt mehr als diese kerzengeraden, soldatenartigen Möhren.»

Nächsten Sommer wollen beide die Misfits in einem eigenen Ladengeschäft vertreiben – krumm und lecker, wie die Natur sie schuf, oder zubereitet als Kuchen und Mixed Pickles, bei denen man die ursprüngliche Form noch erkennt. Derzeit sammeln sie Spenden für das Startkapital. Wenn der Laden läuft, dürfen sich die Geldgeber als Gegenleistung gern ein paar mehrbeinige Karotten aussuchen.

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(NG, Heft 12 / 2012, Seite(n) 26 bis 34)

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