Die neue Idee: Punkt für Punkt

Laserscan

Bild: CYARK/National Forestry Corporation of Chile Vergrößern

Kein Foto erfasst so viele Details der berühmten Moai auf der Osterinsel wie ein solcher 3-D-Laserscan.

Die Steinriesen auf der Osterinsel – die Moai – wachen dort seit Jahrhunderten. Sie haben noch längst nicht alle Geheimnisse der Kultur ihrer Erbauer preisgegeben. Jetzt versuchen Denkmalschützer, sie mit einer neuen Untersuchungsmethode zu durchschauen. Archäologen und Ingenieure der privaten Organisation CyArk fertigen mit tragbaren Laserscannern dreidimensionale virtuelle Kopien der Monumente. Sie erfassen noch millimeterkleine Strukturen, beabsichtigte Feinheiten der Steinmetze ebenso wie Beschädigungen durch äußere Einflüsse.

Der Kalifornier Ben Kacyra, vermögender Gründer von CyArk, hat es sich zur Aufgabe gemacht, rund um die Welt solche hochaufgelösten Computermodelle bedrohter Kulturschätze zu erstellen. Die Tageszeitung San Francisco Chronicle bezeichnete seinen 3-D-Laser als den «wichtigsten Beitrag zur Archäologie seit der Bullpeitsche, die Indiana Jones in die Forschung einbrachte». Die Abtastung mit dem Laser erzeugt sogenannte Punktwolken, die Hunderte Millionen Daten umfassen. Aus diesen Punkten errechnet der Computer eine extrem detailreiche Abbildung des Originals. Fachleute erkennen daran zum Beispiel, wo sich Risse im Gestein bilden oder auch, wo einer ursprüng­lichen Struktur später neue Materialien hinzugefügt wurden.

Kacyra gründete seine Organisation im Jahr 2001, nachdem die Taliban in Afghanistan die berühmten steinernen Buddha-Figuren von Bamian gesprengt hatten. Seine Idee: Sollte Ähnliches wieder geschehen, würde mit den 3-D-Kopien wenigstens eine anschauliche Erinnerung des zerstörten Kulturschatzes erhalten bleiben.

Im März dieses Jahres vernichtete ein Brand die Königsgräber der Kasubi in Uganda. Hier waren vier Herrscher des Königreichs Buganda bestattet. Die mehr als 130 Jahre alten Gräber waren von 2001 an Unesco-Welterbe. Erst im vergangenen Jahr hatte CyArk die Anlage gescannt. Die virtuelle Kopie soll nun die Basis für den Wiederaufbau liefern.

Inzwischen stehen mehr als 800 bedrohte Kulturgüter in den Notizbüchern von CyArk. 36 wurden bisher mit dem Laser gescannt und gespeichert, unterstützt unter anderem von Experten des bayerischen Ingenieurbüros Christofori. «Was wir tun», sagt Kacyra, «dient nicht nur dazu, Bauwerke zu erforschen. Es soll dazu beitragen, das kollektive Kulturgedächtnis der Menschheit zu bewahren.»


(NG, Heft 10 / 2010, Seite(n) 11)

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