Grauer Baumfrosch - Schaumschläger

Bilder: Avalon/Bruce Coleman Inc/Alamy Stock Photo
Baumfrosch-Main

Der Sex des Grauen Baumfrosches (Chiromantis Xerampelina) ist eine gesellige Angelegenheit. Stellen Sie sich den Liebesakt der Schaumnestlaubfrösche, wie man sie auch nennt, so vor: Nach starkem Regen haben sich in Afrikas Savannen große Wasserlachen gebildet. An den Rändern dieser Tümpel hocken die Männchen und – warten. Die Weibchen nehmen derweil ein Bad, um über ihre Haut Wasser aufzunehmen.

Zurück am Ufer, werden sie von je einem Männchen umklammert. Die eigentliche Befruchtung aber findet erst später statt. Zunächst klettert das Paar auf einen Zweig über dem Tümpel, wo das Weibchen eine wässrige Flüssigkeit abgibt. Mit den Hinterbeinen schlägt es sie schaumig und legt die Eier hinein.

Erst dann beginnt „die Orgie“, wie der Verhaltensökologe Philip Byrne von der australischen University of Wollongong sagt: „Bis zu 20 Männchen reihen sich in der Nähe des Weibchens auf und helfen durch koordiniertes Treten mit den Hinterbeinen dabei, ein großes Nest zu erzeugen.“ In das sie dann ihr Sperma hineingeben – stundenlang stoßen sie Keimzellen aus und hüllen sie in Schaum ein, der die Embryonen schützen wird. Fünf Tage später plumpsen die Kaulquappen aus dem Nest ins Wasser.

Graue Baumfrösche praktizieren also eine Form von Gruppensex und kommen ganz ohne aggressives Konkurrenzverhalten aus, so Byrne. „Indem ein Weibchen seinen Nachwuchs von vielen Männchen zugleich zeugen lässt, macht es die Prozedur zu einer entspannten Sache.“ Das bringt genetische Vorteile mit sich. Byrnes Forschung hat ergeben, dass von den Nachkommen dieser Weibchen 20 Prozent mehr überleben als von jenen, die ihren Nachwuchs mit nur einem Männchen zeugen.

HABITAT
Baum- und Graslandschaften im Süden und Osten Afrikas

STATUS
Nicht gefährdet

HINTERGRUND
Polyandrie – bei der sich ein Weibchen mit mehreren Männchen paart – bringt genetische Vielfalt beim Nachwuchs hervor. Der Graue Baumfrosch gilt als extremer Vertreter der Polyandrie. Das schützt ihn offenbar: Anders als der Graue Baumfrosch gilt ein Drittel der bekannten Amphibienarten als bedroht oder ist bereits ausgestorben.


(NG, Heft 03 / 2017, Seite(n) 150)
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