Mira Rai ist "Adventurer of the Year 2017"

Artikel vom 02.02.2017  —  Bilder: Jordi Saragossa
Mira Rai - main

Früher trug Mira Rai Reissäcke durch das Himalaya-Gebirge, heute gewinnt sie internationale Geländerennen und ist Vorbild für viele junge Nepalesinnen. Nun wurde sie zum "Adventurer of the Year 2017" gewählt.

Jedes Jahr nominiert NATIONAL GEOGRAPHIC zehn Abenteurer aus aller Welt als "Adventurer of the Year", die endgültige Wahl treffen jedoch die Leser und User. Alle Kandidaten haben besondere Leistungen in den Bereichen Forschung, Naturschutz und sozialem Engagement erbracht, eine Frau konnte jedoch besonders überzeugen. Mira Rai aus Nepal darf sich nun "Adventurer of the Year 2017" nennen.

Rai wuchs in einem abgelegenen Dorf im Osten Nepals auf. Ihre Träume und Zukunftsvorstellungen gingen jedoch schon bald über das hinaus, was von nepalesische Frauen erwartet wird. Als Mädchen habe man ihr beigebracht, "ihren Platz zu kennen": Als ältestes von fünf Kindern sollte sie Wasser holen, sich um die Ernte kümmern und im Haushalt helfen. Im Alter von zwölf Jahren verließ sie die Schule, um Reissäcke entlang der schmalen Pfade des Himalayas zu transportieren, oft bloßfüßig. Das war harte Arbeit, aber auch gutes Training für eine angehende Läuferin.

Um Geld zu verdienen und ein besseres Leben zu führen, schloss sich Rai mit 14 Jahren maoistischen Rebellen an. Zwei Jahre später kehrte sie zurück, allerdings ohne ein einziges Mal gekämpft zu haben. Doch während ihres Trainings mit den Rebellen verbesserte sie ihre Kondition und lernte außerdem Karate. Da es in Nepal für Frauen jedoch nicht üblich war, an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen, wusste sie nicht, wie sie ihre Fähigkeiten am besten einsetzen konnte.

Es war ein glücklicher Zufall, der ihr vor zwei Jahren zum Durchbruch verhalf. Rai trainierte gerade in der Nähe von Kathmandu, als zwei Geländeläufer sie zu ihrem ersten Rennen einluden: dem 50 Kilometer langen "Kathmandu West Valley Rim 50K". Sie besaß weder eine spezielle Ausrüstung, noch hatte sie für solch lange Strecken trainiert. Doch gegen allen Erwartungen schlug sie alle anderen Läufer – als einzige Frau. Die 50 Kilometer waren die längste Strecke, die sie je gelaufen war. Bald fand sich Unterstützer und Sponsoren, die ihr ermöglichten, an internationalen Rennen teilzunehmen.

Seitdem hat die heute 29-Jährige eine Mission. Sie möchte mehr Nepalesinnen und Nepalesen motivieren, Sport zu treiben und ihre Stärke auch in Wettkämpfen zu beweisen: „Was ich gemacht habe, konnte ich nur tun, weil so viele Menschen an mich geglaubt haben und ein Risiko eingegangen sind. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben, damit andere genauso eine Chance bekommen, wie ich sie bekommen habe.“

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