Trump: Wissenschaftler rufen zum Protest auf

Artikel vom 03.02.2017  —  Autor: Von Laura Parker und Craig Welch  —  Bilder: Birgit Korber/Colourbox
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Bild oben: Schmelzende Eisblöcke am Gletschersee Jökulsárlón in Island.

Die Trump-Regierung war nur wenige Minuten im Amt, als alle Hinweise zum Klimawandel von der Website des Weißen Hauses verschwanden. Wenig später zog sich der National Park Service den Unmut des Präsidenten zu, als auf dem Twitter-Kanal der Behörde Bilder von der Amtseinführung Barack Obamas geteilt wurden. Die Luftaufnahmen zeigten deutlich, dass 2009 wesentlich mehr Menschen anwesend waren als am 20. Januar 2017, als Donald Trump als 45. Präsident der USA eingeschworen wurde.

Trump war so verärgert, dass er den Direktor des National Park Service, Michael Reynolds, persönlich anrief und weitere Aufnahmen verlangte, um „die Lügen der Medien“ zu widerlegen. Reynolds schickte tatsächlich mehr Fotos – allerdings zeigten auch diese Aufnahmen keine größeren Menschenmassen. So begann eine beispiellose Rebellion innerhalb der amerikanischen Regierungsbehörden, die sich schon bald zu dem nächsten großen Protestmarsch in Washington entwickeln könnte – dieses Mal initiiert von Wissenschaftlern.

Maulkorb für Wissenschaftler
Die erste Regierungswoche der Trump-Administration hat in vielen Behörden Chaos ausgelöst. Zahlreiche dort angestellte Wissenschaftler hatten Anweisungen erhalten, die sie zum Stillschweigen verdonnerten – zumindest vorübergehend. So befahl man der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency), Berichte zum Klimawandel von ihrer Website zu nehmen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Zuschüsse und Verträge der EPA seien eingefroren worden. Daraufhin kursierten Berichte, dass diese Verfügungen zumindest teilweise wieder aufgehoben worden seien. Klarheit darüber gibt es allerdings nicht.

Donald Trumps Zweifel an der Existenz des Klimawandels sind bekannt, und seine erste Woche im Amt scheint viele Wissenschaftler in ihren Befürchtungen zu bestätigen. Mehr noch: Die Geschwindigkeit, mit der Trump versucht hat, eigene Forscher an die Leine zu legen, löste in den sozialen Netzwerken viel Widerstand aus und inspiriert nun Wissenschaftler von Maine bis Kalifornien dazu, sich den Protesten in Washington anzuschließen. Der „March for Science“ soll nun am 22. April 2017, am Tag der Erde, in Washington sowie anderen Städten innerhalb und außerhalb der USA stattfinden. Vorbild ist der „Women’s March“ vom 21. Januar 2017, an dem 470.000 Menschen allein in Washington teilnahmen.

Digitaler Protest
Die Idee für den „March for Science“ entstand zuerst auf Facebook, mittlerweile gibt es neben einer Website auch Kanäle auf Instagram und Twitter. Rund 310.000 Sympathisanten folgen den Tweets der Aktivisten. Allerdings gibt es auch Kritik aus den eigenen Reihen. In einem Gastbeitrag in der „New York Times“ argumentiert der Geologe Robert S. Young, Proteste würden die Gräben zwischen Wissenschaftlern und Zweiflern noch vertiefen.

Noch regt sich ein Großteil des Protestes gegen Trumps Klimapolitik in den sozialen Netzwerken. Zahlreiche inoffizielle Twitter-Accounts entstanden, die alle für sich beanspruchen, von Wissenschaftlern des Park Service, der NASA sowie der EPA gesteuert zu werden. Sie verbreiten vor allem Zahlen und Fakten über den Klimawandel, aber auch Sticheleien gegen den Präsidenten. Die Authentizität der User kann jedoch nicht bestätigt werden.

Trumps Vorgehen gegen die eigenen Wissenschaftler und Behörden ist in seiner Rigorosität einzigartig – jedoch ist seine Regierung nicht die erste, die versucht, wissenschaftliche Forschung zu beeinflussen, die der Parteipolitik widerspricht. Unter George W. Bush schränkten Regierungsbeamte wiederholt die Arbeit der Umweltbehörden ein, zum Beispiel beim Thema Artenschutz. Und der Regierung Obama warfen Wissenschaftler vor, das Ausmaß der BP-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010 nicht vollständig darzustellen. Auch wurde den Wissenschaftlern bei Presseterminen PR-Personal an die Seite gestellt, um deren Öffentlichkeitsarbeit zu kontrollieren.

Dies ist eine gekürzte Version. Den Originaltext lesen Sie hier.

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