Bild: KtD/Shutterstock Vergrößern
Frisch geschlüpfte Dinosaurier fielen vor 67 Millionen Jahren einer dreieinhalb Meter langen Schlange zum Opfer.
Nun ist es einem Forscherteam um Jeff Wilson von der University of Michigan in Ann Arbor gelungen, den prähistorischen Überfall auf das Dinosaurier-Nest genau zu analysieren. Vermutlich wurde die auf den Namen „Sanajeh“ getaufte Schlange durch die frisch geschlüpften Jungen eines mächtigen Sauropoden angelockt und verschlang diese, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „PLoS Biology“.
Die Sauropoden waren die größten an Land lebenden Dinosaurier. Sie hatten einen massiven Körper mit einem langen Hals und wurden bis zu 35 Meter lang und bis zu 100 Tonnen schwer. Im Gelege eines solchen Riesensauriers im indischen Bundesstaat Gujarat entdeckte der Geologe Dhananjay Mohabey in den frühen 1980er Jahren die versteinerten Überreste einer Riesenschlange. Als Mohabey das von Sedimentgestein bedeckte Fossil in den folgenden Jahren näher analysierte, fand er Eierschalen und Knochen von Dinosauriern, konnte diese Funde aber noch nicht genau zuordnen.
Erst nach jahrelangen Untersuchungen in Zusammenarbeit mit Jeff Wilson von der University of Michigan gelang es den Forschern nun, den fossilen Fund genau zu rekonstruieren. Demnach war die Schlange um ein zerbrochenes Dinosaurier-Ei gewickelt, neben dem ein gerade geschlüpftes Dinosaurier-Baby saß. „Wir gehen davon aus, dass das Junge gerade aus dem Ei gekrochen war und dass dieses Ereignis die Schlange angelockt hat“, erläutert Mohabey.
Als die Dinosaurier-Eier in dem 67 Millionen Jahre altem Gestein gefunden wurden, waren sie nur von einer dünnen Sedimentschicht bedeckt. Die Anordnung des Schlangenschädels, der Saurierknochen und der Eierschalen weisen darauf hin, dass Räuber und Beute schnell verschüttet wurden. „Vermutlich wurde durch einen Sturm ein Stoß Sand herangetragen und hat dazu geführt, dass diese spektakuläre Szene erhalten geblieben ist“, erklärt Shanan Peters, einer der Koautoren der Studie. Die prähistorische Schlange, die die Forscher „Sanajeh indicus“ tauften, gibt auch Aufschluss über die Entwicklung der heutigen Schlangenarten. Diese haben sehr bewegliche Schädel und können ihr Maul sehr weit öffnen, so dass sie auch große Beutetiere verschlingen können. Sanajeh besaß diese Eigenschaft nur teilweise, doch sie konnte die etwa einen halben Meter großen Dinosaurier-Jungen trotzdem verschlingen, weil sie selbst fast dreieinhalb Meter lang war. Demnach waren die frisch geschlüpften Saurier durch die Riesenschlange gefährdet - allerdings wuchsen sie anschließend so schnell, dass Sanajeh für sie bereits mit einem Jahr keine Gefahr mehr darstellte.
DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion
blog comments powered by Disqus