Rentier ist ein optimales Zugtier

Quelle: ddp
Rentiere vor Schlitten

Bild: Shutterstock Vergrößern

Nicht nur Weihnachtsmänner können sich von den gehorsamen Zugtieren kutschieren lassen.

Der Weihnachtsmann hat sich nicht von ungefähr für Rentiere und nicht für Rothirsche entschieden, als er Zugtiere für seinen Schlitten aussuchte: Die nordischen Hirsche sind bereits jahrtausendelang gezüchtet worden und daher sehr gutmütig. Im Gegensatz dazu behalten die Rothirsche Wildtiereigenschaften, selbst wenn sie an den Menschen gewöhnt sind.

Das macht die Rothirsche schwer beherrschbar, sagt Ragnar Kühne, Kurator des Zoologischen Gartens in Berlin. Das Rentier ist dagegen schon seit über drei Jahrtausenden ein Nutztier des Menschen. In dieser Zeit hat die gezielte Zucht auch die Charaktereigenschaften der Tiere beeinflusst: «Ihre natürlichen Fluchtinstinkte sind beispielsweise geringer ausgeprägt als beim Rotwild - das macht sie für den Menschen leichter zugänglich», sagt der Biologe.

«Wirkliche Wild-Rens gibt es nur noch wenige», sagt Kühne. Die riesigen Renherden Skandinaviens und Sibiriens bestehen fast ausschließlich aus domestizierten Tieren. Das Ren ist die einzige Hirschart, die der Mensch in ein Nutztier verwandelt hat und deren Milch, Fell und Fleisch er gleichermaßen nutzt. «Über Generationen hinweg haben die Menschen bevorzugt Rentiere weitervermehrt, die neben Körpermerkmalen auch Charaktereigenschaften besaßen, die dem Menschen Vorteile verschaffen», sagt Kühne. Geduldig machen die Tiere deshalb einiges mit, das sich Wildtiere normalerweise nicht gefallen lassen. Nach wie vor ziehen die Rens zwar frei umher, die Menschen folgen ihnen jedoch mit Motorschlitten, und zur jährlichen Zählung werden die Tiere heute zusätzlich sogar mittels Hubschraubern zusammengetrieben.

Schon früh nutzten die Nomaden ihre Rens auch als Zugtiere für ihre Habe. Die ersten Nachweise dazu stammen aus dem dritten Jahrhundert vor Christus. Die gutmütigen Tiere lassen sich sogar reiten. Als typische Nutztiere des Nordens avancierten die Rentiere dann schließlich zum charakteristischen Helfer des Weihnachtsmanns: Von seinem Hauptquartier am Nordpol aus ziehen sie den dicken Mann samt Geschenkefracht durch die Welt.

Zebras wären übrigens ähnlich wie Rothirsche ebenfalls nicht fürs Schlittenziehen geeignet. Denn im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten, den domestizierten Pferden und Eseln, sind sie keine guten Reit- oder Zugtiere. «Auch in diesem Fall machen seine wilden Eigenschaften das Zebra kaum beherrschbar», sagt Kühne. «Zebras, die so zahm sind, dass sie sich reiten lassen, findet man nur in Ausnahmefällen als Kuriosität im Zirkus.»



Extras
  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus