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Junge "Belgische Wasserschläger" verlieren kurz nach der Geburt ihr Hörvermögen.
Kanarienvögel der Rasse «Belgischer Wasserschläger» sind schwerhörig - allerdings nicht von Geburt an, haben deutsche Forscher jetzt gezeigt: Die Tiere, die sich durch einen ungewöhnlich lauten Gesang auszeichnen, verlieren innerhalb der ersten Wochen nach dem Schlüpfen einen Großteil ihres Hörvermögens.
Entdeckt haben die Forscher um Otto Gleich von der Universität in Regensburg diesen Hörverlust, als sie die Haarsinneszellen der Tiere untersuchten und die Gehörschwellen nach dem Schlüpfen und während der ersten drei Lebensmonate bestimmten. Die Ergebnisse widerlegen die bisherige Annahme, dass die Vögel bereits mit einer Hörstörung zur Welt kommen, teilt die Universität Regensburg mit.
Die Kanarienvogelrasse «Belgischer Wasserschläger» wurde über Jahrhunderte gezielt so gezüchtet, dass sie besonders laut und in einem nachtigallähnlichen Stil singen. Eine Begleiterscheinung der Zucht war jedoch, dass sich bei den Tieren eine genetisch bedingte Hörstörung entwickelte. Diese wird durch den Verlust von Haarsinneszellen im Innenohr hervorgerufen. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass diese Störung angeboren ist.
Diese These überprüften Otto Gleich und sein Team nun gezielt: Die Biologen testeten dazu mit Hilfe von elektrophysiologischen Messungen, ab welchem Schallpegel das Gehör der Tiere Geräusche registriert. Dabei stellten sie fest, dass die Wasserschläger unmittelbar nach dem Schlüpfen genauso gut hörten wie andere Kanarienvögel. Die typische Hörstörung entwickelte sich dann im Alter zwischen einem und drei Monaten. Die Beobachtung bestätigte sich, als die Wissenschaftler die Haarsinneszellen anatomisch untersuchten: Schon ab einem Alter von einem Monat verloren die Vögel verstärkt die Sinneszellen, die fürs Hören essenziell sind.
Der Hörverlust tritt etwa in dem Alter auf, in dem die Vögel das Singen lernen, merken die Forscher an. Er ist wohl auch der Grund dafür, dass die Wasserschläger grundsätzlich zu lautem, tiefem Gesang neigen - sie können hohe und leise Töne einfach nicht wahrnehmen. Für Hörforscher sind die Tiere vor allem deswegen interessant, weil man an ihnen die Mechanismen untersuchen kann, die zum Verlust der Haarsinneszellen führen. Derartige Schäden treten beispielsweise auch bei der altersbedingten Schwerhörigkeit oder bei Hörschäden durch übermäßig laute Geräusche auf.
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