Stämmiger Inselbewohner: Neuer Raubsaurier entdeckt

Quelle: ddp
Dinosaurierskelett

Bild: Shutterstock / Rod Beverley Vergrößern

Symbolbild

Im rumänischen Siebenbürgen sind die Überreste eines ungewöhnlichen fleischfressenden Dinosauriers aufgetaucht: Balaur bondoc (rumänisch: «Stämmiger Drache») lebte vor etwa 70 Millionen Jahren und war eng verwandt mit den unter anderem aus dem Film «Jurassic Park» bekannten Velociraptoren. Allerdings hatte er einen deutlich stämmigeren Körperbau, entdeckte ein rumänisch-amerikanisches Forscherteam. So verfügte B. bondoc über sehr viel kürzere, kräftigere Beine als seine berühmten Verwandten und konnte mit gleich zwei riesigen Krallen an den Füßen aufwarten - Velociraptor besaß nur eine.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der Dinosaurier seine Eigenheiten vor allem aufgrund der damaligen Geografie ausprägte: Europa war in der späten Kreidezeit keine durchgehende Landmasse, sondern größtenteils von Ozeanen bedeckt, aus denen einzelne Inseln ragten. Auf diesen Inseln lebende Tiere entwickelten häufig im Gegensatz zu ihren Verwandten auf dem Festland in Asien und Nordamerika ungewöhnliche Merkmale, schreiben Zoltán Csiki von der Universität in Bukarest und seine Kollegen im Fachblatt «PNAS».

Die meisten Inseltiere sind kleiner als ihre auf größeren Landmassen lebenden Verwandten und nicht selten auch primitiver. Das galt auch für Balaur bondocs Zeitgenossen, wissen Paläontologen dank einer Vielzahl an Funden. Es handelte sich dabei vor allem um pflanzenfressende Dinosaurier, die auf allen Vieren liefen und die bei weitem nicht die beeindruckende Größe ihrer bekannteren Verwandten erreichten. Ob sich dieser Insel-Effekt allerdings bei den damaligen Raubtieren ebenfalls zeigt, war bisher nicht bekannt - zu rar und zu klein waren die bislang aufgetauchten Überreste, es handelte sich lediglich um einzelne Zähne oder Knochenfragmente. Der neue Fund ändert die Situation jedoch: In der Nähe der Stadt Sebes in der Region Siebenbürgen stießen die Forscher auf ein vergleichsweise gut erhaltenes Skelett des Stämmigen Drachens, inklusive eines Beins, einer Hüfte, Teilen des Rückgrats, den Vorderbeinen, einer Hand, einer Rippe und Teilen der Schwanzknochen.

Obwohl der Schädel fehlt, konnten die Wissenschaftler das Aussehen des Tieres relativ gut rekonstruieren. Demnach war Balaur bondoc zwischen 1,80 und 2,10 Meter lang und hatte sehr kurze, stämmige Beine und Füße, bei denen die Knochen zum Teil fest miteinander verbunden waren. Das Becken war ebenfalls ungewöhnlich und besaß große Aussparungen, an denen Muskeln befestigt waren. Die Vordergliedmaßen hingegen waren stark verkümmert, so dass Greifen mit ihnen vermutlich praktisch unmöglich war. B. bondoc setzte daher wohl eher auf Kraft als auf Schnelligkeit, schließen die Forscher: Wie ein Kickboxer nutzte er möglicherweise seine kräftigen Beine, um Beutetiere zu erlegen - vielleicht schlitzte er sie sogar mit einem Tritt seiner krallenbewehrten Füße auf. Anschließend scheint er sie ebenfalls mit den Füßen festgehalten und ausgeweidet zu haben.

Das Leben auf der Insel führte im Fall von B. bondoc überraschenderweise nicht zu einer Verkleinerung, sondern zu einer starken Veränderung des Körperbaus, schreiben die Forscher. Da einige Merkmale aber weiterhin denen anderer Velociraptoren glichen, könne es keine vollständige Isolation gegeben haben. Vielmehr habe offenbar weiterhin ein Austausch zwischen den in Europa heimischen Raubsauriern und denen in Asien und Nordamerika stattgefunden.



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