Film-Tipp: The Age of Stupid – Warum tun wir nichts?

Autor: Kristina Vogt  —  Bilder: TAO Cinemathek
Age of Stupid - Der letzte Überlebende

Bild: TAO Cinemathek Vergrößern

Pete Postlethwaite ist der Hüter des „Weltarchivs“

Wir haben das Jahr 2055. Der letzte Erdenbürger (Pete Postlethwaite) hütet in der geschmolzenen Arktis das „Weltarchiv“, ausgestattet mit dem Gesamtwissen der Menschheit. Er will verstehen, warum die Erde verödete und verwaiste. Zahlreiche Umweltkatastrophen suchten den Planeten um die Jahrtausendwende heim: Hurricane Kathrina, Tsunamis, Ölkatastrophen. Alle Bemühungen, die Erderwärmung zu verhindern, scheiterten dennoch. „Wollten wir uns vielleicht gar nicht retten?“ fragt er.

Der Film „The Age of Stupid“ (übersetzt: „Das Zeitalter der Dummheit“) führt den Zuschauer rund um den Globus. Er verknüpft authentische Katastrophenberichte bis zum Jahre 2008 mit den Portraits von sechs Individuen: Da ist zum Beispiel der 82-jährige Bergführer Fernand Pareau. Wo er einst über Alpengletscher wandelte, ist nun Land. An seinem Haus führt jetzt eine Autobahn vorbei, täglich zählt Monsieur Fernand über 5 000 Lastwagen: „Die Milch unserer Kühe wird mit LKWs über die Grenze gebracht. Dort macht man daraus billig Joghurt, dieser wird dann zurückgekarrt und hier in den Supermärkten verkauft. Es ist Wahnsinn.“ "Mit dem Klimawandel ist es wie beim Bergsteigen“, bemerkt er abschließend, „Alle hängen an einem Seil. Wenn einer stürzt, fallen alle.“

Age of Stupid Sydney

Bild: TAO Cinemathek Vergrößern

Sydney brennt

Eine andere Portraitierte ist Layefa Malemi. Aus ihrem nigerianischen Dorf wird täglich Öl im Wert von Millionen Euro abgepumpt. Viele sterben an Cholera und Typhus, denn das Dorf ist arm und das Wasser verseucht. Benzin ist ein umkämpftes Gut, Öl gibt es nur im Wasser: Damit heimische Fische eßbar werden, entfernt Miss Malemi das Öl vorab mit Waschpulver. „Ich wollte immer ein Leben wie in Amerika führen. Da will man gar nicht mehr sterben, sondern ewig leben,“ sagt sie.

Unsere Staatsformen haben versagt, ist eine der bewusst plakativen Botschaften des Low-Budget-Films: Was bleibt, ist die Konsumgesellschaft, die sich selbst ad absurdum und in die Katastrophe führt. Regisseurin Franny Armstrong will aufrütteln: „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir das Leben auf der Erde weitgehend vernichten.“ Passend zum Film hat sie zusammen mit Produzentin Lizzie Gillett die 10:10-Kampagne ins Leben gerufen: Zehn Prozent Co2-Einsparung pro Jahr, beginnend 2010. International gibt es mittlerweile viele Teilnehmer, darunter Privatpersonen, aber auch Microsoft oder die britische Regierung.

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Länge: 89 Minuten
Kinostart: 3. Juni 2010
Nähere Informationen unter: www.ageofstupid.tao.de



Extras

DVD-Tipp: Sechs Grad bis zur Klimakatastrophe
Sind es nur noch Sechs Grad bis zur Klimakatastrophe? Welche Veränderungen der Klimawandel auf die Menschheit haben wird und bereits hat, erfahren Sie in dieser spannenden Dokumentation. mehr...

  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus