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Meereis besteht aus festen Süßwassereiskristallen und aus flüssiger Salzlauge, die zwischen den Kristallen ein Kanalsystem bildet.
Mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche sind von Meeren bedeckt. Eines hat das Wasser all dieser Ozeane gemeinsam: Es ist salzig. Im Durchschnitt enthält Meerwasser 3,5 Prozent Salz, das entspricht etwa drei Esslöffeln auf einen Liter Wasser. Von winterlichen Straßen wissen wir, dass salzhaltiges Wasser schlecht friert - deshalb wird ja Salz gestreut. Warum aber bildet sich trotzdem Eis auf dem Meer? Immerhin ist ein Großteil des Nordpolarmeeres von einer weißen Eiskruste bedeckt. Ist das Meereis vielleicht gar nicht salzig? "Jein", sagt Iris Werner vom Institut für Polarökologie der Universität zu Kiel.
Denn wenn sich Meereis bildet, gefriert tatsächlich nur das reine Süßwasser. Es entstehen Eiskristalle. "Das Salz kann nicht in das Kristallgitter des Eises eingebaut werden, und wird von den Eiskristallen sozusagen zur Seite geschoben", erklärt Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie.
Die Salze reichern sich deshalb in einer konzentrierten Salzlauge an. Diese so genannte Sole bleibt flüssig und bildet zwischen den festen Eiskristallen ein verzweigtes Kanalsystem. "Ein Stück Meereis besteht also einerseits aus festen Süßwassereiskristallen und andererseits aus flüssiger Salzlauge, die das Kristallsystem durchzieht", fasst Werner zusammen.
Salzgehalt sinkt bereits nach einigen Tagen
Direkt nachdem sich im arktischen Winter Meereis gebildet hat, sind in einem Kilogramm über 20 Gramm Salz enthalten. Doch das ändert sich rasch. Bereits nach wenigen Tagen ist der Salzgehalt meist bereits auf etwa zehn Gramm pro Kilogramm gesunken. "Die perfekte Mischung zum Nudeln kochen", sagt Notz.
Aber warum kommt es zu diesem Salzverlust? Da die Sole im Eis sehr salzhaltig ist, hat sie eine höhere Dichte als das Meerwasser unter dem Eis. Sie ist daher "schwerer". Im Laufe der Zeit sickert die Sole deshalb langsam aus dem Eis heraus nach unten.
Geschmolzenes Meereis kann man trinken
Doch es gibt noch einen Faktor, der das Meereis immer süßer macht: "Wenn im Sommer der Schnee auf dem Eis schmilzt, läuft ein Teil dieses Schmelzwassers von oben in die Solekammern und -kanäle hinein und schiebt die Sole nach unten aus dem Eis heraus", erklärt Notz. Meereis, das mehrere Sommer überstanden hat, habe dadurch häufig so viel Salzsole verloren, das man das geschmolzene Eis trinken könne.
Dies wusste übrigens auch schon der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen, der am 14. Dezember 1911 als erster Mensch den geografischen Südpol erreichte. Er nutzte das mehrjährige Meereis - wie später viele andere Polarexpeditionen auch - zur Trinkwasserzubereitung. Mittlerweile jedoch droht diese Quelle aufgrund der globalen Erwärmung zu versiegen. "Heute ist dieser Eistyp wegen des starken Rückgangs von Meereis kaum noch zu finden, das meiste Eis in der Arktis ist inzwischen nur noch ein oder zwei Jahre alt", erklärt Notz.
Eisberge sind nicht salzig
In den Polarmeeren schwimmt aber nicht nur Meereis, dort gibt es auch mächtige Eisberge. Sind auch die salzig? "Im Prinzip nicht, da Eisberge aus gefrorenem Süßwasser bestehen", meint Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Eisberge entstehen meist, wenn von den riesigen Küstengletschern etwa auf Grönland oder in der Antarktis Stücke abbrechen und ins Meer gelangen.
Eisberge, die im Ozean treiben, seien aber von Salzwasser umgeben, sagt Nicolaus. Wellen und Wind sorgten dann dafür, dass zumindest die Seiten und die Oberfläche mit Salzwasser in Kontakt kommen. "Diese Teile sind dann auch salzig", erklärt der Meereisphysiker.
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