Zwergschimpansen teilen auch mit Fremden

Artikel vom 03.01.2013  —  Quelle: dapd
Zwergschimpanse

Bild: Eric Gevaert, Shutterstock Vergrößern

Der Bonobo oder Zwergschimpanse gehört zur Familie der Menschenaffen. Zusammen mit den "gemeinen Schimpansen" sind sie die nächsten lebenden Verwandten des Menschen

Menschen gelten als einzigartig darin, mit anderen zu teilen - Fremde eingeschlossen. Dieses rätselhafte Phänomen hat zahlreiche Forscher dazu gebracht, das Teilen mit Fremden mit der einzigartigen menschlichen Sprache, unseren sozialen Normen, Kriegen oder der gemeinsamen Aufzucht der Kinder zu erklären. Allerdings sind auch unsere nächsten lebenden Verwandten, die Zwergschimpansen, ausgesprochen tolerant und in der Lage, mit Fremden zu kooperieren.

In vier Experimenten haben der Anthropologe Jingzhi Tan und der Neurowissenschaftler Brian Hare von der Duke University untersucht, ob Zwergschimpansen freiwillig Fremden Nahrung geben. Dabei stellten sie fest, dass die Tiere Fremden dann von ihrem Futter abgaben, wenn sie im Gegenzug auf eine soziale Interaktion hoffen durften.

Soziale Interaktion als Gegenleistung

Teilweise sei das Verhalten der Zwergschimpansen aber auch selbstlos motiviert, berichten die beiden Forscher. Die Affen haben in den Versuchen Fremden auch dann geholfen, an Nahrung zu gelangen, die außerhalb der Reichweite der Fremden war, wenn keine soziale Interaktion entstehen konnte. Die Selbstlosigkeit der Zwergschimpansen erfuhr allerdings dann ihre Grenzen, wenn die Tiere Nahrung aus ihrem Besitz abgeben sollten, ohne dass dadurch eine soziale Interaktion möglich würde.

«Die Ergebnisse legen nahe, dass mitfühlendes Verhalten gegenüber Fremden nicht einzigartig menschlich ist», schließen die Forscher. Leitautor Tan resümiert: «Genau wie Schimpansen wäre unsere Art bereit, Fremde zu töten; genau wie Zwergschimpansen können wir ebenso gut sehr nett zu Fremden sein.»

Fremdenfreundliches Verhalten auch ohne Sprache und soziale Normen

Die Studie zeigt weiterhin, dass keine der für den Menschen angenommenen Ursachen - Sprache, soziale Normen, Krieg, gemeinsame Kinderaufzucht - nötig sind, damit sich die Bereitschaft entwickeln kann, mit Fremden zu teilen. Vielmehr vermuten Tan und Hare, dass das fremdenfreundliche Verhalten aufgrund der evolutionären Selektion auf tolerantes Sozialverhalten entstanden sein könne. Ein solches sei vorteilhaft, um die individuellen sozialen Netzwerke zu vergrößern. Menschliche soziale Normen und die Sprache könnten dieses Verhalten der Menschenaffen später auf die Spitze getrieben haben.


Sie lachen und trauern. Sie lügen und morden. Sie kämpfen und lieben. Sie sind wie wir. Doch wir sperren sie in Zoos. Höchste Zeit, das zu ändern. mehr...
Eine Midlife-Crisis ist ein Phänomen, das nicht nur bei Menschen zu finden ist. Forscher konnten in einer Studie ein Stimmungstief im mittleren Alter bei Schimpansen und Orang-Utans nachweisen. mehr...
Forscher haben erstmals das Erbgut eines Bonobo entschlüsselt. Damit ist nun auch die genetische Basis des letzten noch fehlenden Menschenaffen bekannt. Die Bonobos gehören nach den Schimpansen zu den engsten Verwandten des Menschen. mehr...
Die den Menschen nahestehendsten Affen, die Bonobos, beeindrucken ihre Weibchen, indem sie sich mit ihnen anfreunden. Die Freundschaft senkt den Testosteronspiegel und verhindert Aggressionen. Dieses Paarungsverhalten hängt damit zusammen, dass Bonobo-Männchen und -Weibchen gleichgestellt sind. mehr...
Schimpansen und Bonobos haben keinen Sinn für Fairness: Bekommt ein Artgenosse mehr Belohnung als sie oder stielt er ihnen sogar einen Teil ihrer Ration, strafen sie ihn nicht. Das zeigt ein Experiment deutscher Forscher. mehr...
Ende Juni veröffentlichte NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND den Report „Wie du und ich“ und stellte die Frage, ob große Menschenaffen noch in Gefangenschaft gehalten werden dürfen. Das Thema löste ein riesiges Echo aus, aber was ist seitdem geschehen? mehr...

Extras

Buch-Tipp: Die Welt der Menschenaffen
Wenige Tiere ziehen uns so in ihren Bann wie Menschenaffen. Gorillas, Orang-Utans, Schimpansen und Bonobos sind evolutionär nicht weit von uns Menschen entfernt. Der bekannte Zoologe und Verhaltensforscher Desmond Morris stellt ihre faszinierende Welt vor. mehr...

  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus