20.000 gerettete Schmuckstücke

Artikel vom 05.05.2010
Schätze Afghanistans

Bild: Thierry Ollivier/Musée Guimet Vergrößern

Schätze Afghanistans (im Uhrzeigersinn von ganz links): die Krone einer Nomadin, Armreife in Anti­lopenform und ein ­Mufflon

"Funken sprühten, und wir konnten nur hoffen, dass die Hitze nichts beschädigen würde. Endlich öffnete sich die Tür, und wir sahen: Gold! 20000 glitzernde Stücke, endlich gerettet."
(Frederik Hiebert, National Geographic Society)

Eine Sternstunde der Archäologie erlebten sowjetische Wissenschaftler, als sie 1978 bei Ausgrabungen im Norden von Afghanistan auf sechs Gräber aus der Zeit um Christi Geburt stießen – mit mehr als 20000 Schmuckstücken aus Gold und Halbedelsteinen, mit Waffen und Teilen von Gewändern. Das baktrische Gold gilt als einer der wichtigsten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts. Der Schatz wurde zunächst im Nationalmuseum in Kabul und nach dem Abzug der sowjetischen Truppen im Finanzministerium aufbewahrt, wo er vorübergehend in Vergessenheit geriet. Erst nach der Vertreibung der Taliban-Herrscher entdeckten Mitarbeiter in einem Keller sechs verschlossene Tresore. Viele, auch die Taliban, hatten vergebens versucht, sie zu öffnen. Gelungen ist es erst im April 2004 einem Arbeiter mit stabilem Werkzeug. "Mit Hammer und Brecheisen, dann mit einer Flex", so erinnert Frederik Hiebert, ein Archäologe der National Geographic Society, das Ereignis.

Forscher aus mehreren Ländern und der afghanische Kulturminister staunten nicht schlecht, als sich die Tresortür schließlich öffnete: Vor ihnen lag der komplette Schatz aus der Antike. Seit kurzem ist er, dank Hiebert, in einer Ausstellung zu sehen – nach Nordamerika jetzt in Europa und vom 11. Juni bis zum 3. Oktober in der Bundeskunsthalle in Bonn. NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND ist Medienpartner dieser Schau, die nicht nur die filigrane Krone einer Nomadin und Preziosen aus Gold und Türkis zeigt, sondern vor allem Einblick in das kulturelle Erbe Afghanistans gibt. Besonders im Norden hinterließen Händler und Pilger, Nomaden und Invasoren – von Alexander dem Großen bis zum Großmogul Babur – ihre Spuren. Über die Seidenstraße gelangten Glas und Stoffe hierher, Reisende verbreiteten den Islam und den Buddhismus.

Weitere Informationen zur Ausstellung in Bonn finden Sie hier.


(NG, Heft 6 / 2010, Seite(n) 6-7)


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