Bild: Susanna Muschik Vergrößern
Irgendwann stellt sich auf dem Weg Routine ein: mit der Dämmerung aufstehen, Haferflocken futtern, wandern, Lunch, weiter wandern, Shelter erreichen, Wasser holen, Brennholz sammeln, Feuer machen, Abendessen zubereiten, mit der Dämmerung in den Schlafsack schlüpfen.
Allmählich schlich sich bei uns ein wenig Trail-Müdigkeit ein. Das Wandern war zwar nicht mehr so anstrengend wie am Anfang, die tägliche Routine aber begann uns zur Last zu fallen: Jeden Morgen mit dem ersten Licht des Tages aufstehen, Haferschleim kochen, stundenlang durch den Wald tapern, am Shelter ankommen, Wasser holen, Holz sammeln, Essen kochen, mit dem letzten Licht des Tages in den Schlafsack schlüpfen. Wir sehnten uns nach Sauberkeit, anderen Klamotten, einem großen Salat samt Steak. War die Zeit bis dahin geflogen, verging die letzte Woche extrem langsam.
Glücklicherweise hielt der AT noch eine letzte, ungewöhnliche Begegnung für uns bereit. Nach einem Tag voller Regen kamen wir am Ensign Cowall Memorial Shelter an. Der Plan war, unsere Rucksäcke an der Schutzhütte abzustellen, die knapp vier Kilometer nach Smithsburg zu trampen und dort für die letzten Tage einzukaufen. In der Schutzhütte hatte sich bereits ein älterer Herr eingefunden, der uns fröhlich auf Deutsch fragte, ob wir wohl eine heiße Tasse Tee möchten. Als junger Soldat war er für einige Jahre in Deutschland gewesen, hatte außerdem eine deutsche Frau geheiratet und sprach deshalb die Sprache recht gut. Zusammen tranken wir Tee und plauderten ein wenig. Dann schlüpften wir in unsere Regensachen, ließen unsere Rucksäcke zurück und machten uns auf den Weg in die Stadt. Unterwegs gab Jule noch zu Bedenken, dass wir unser gesamtes Hab und Gut praktisch bei einem Fremden gelassen hatten, doch ich blieb optimistisch. Wie kriminell muss man schließlich sein, um zwei armen Mädchen die Schlüpfer und ein dreckiges Zelt zu klauen?
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