Ein Pferdeschuh aus römischer Zeit

Artikel vom 07.05.2010

Es war die Hipposandale. Als zwei Hobbyforscher der Kreisarchäologin Petra Lönne aus Northeim diesen Fund zeigten, war ihr sofort klar: ein Pferdeschuh aus römischer Zeit. Waren die Römer etwa doch bis ins südliche Niedersachsen vorgedrungen? Lönne ahnte eine Sensation. Doch erst als sie sich am Harzhorn, einem Höhenzug nahe der Autobahn 7, selber ein Bild machte, wusste sie: Die Geschichte ist um eine Facette reicher. Alle paar Meter schlug der Metalldetektor an, dicht an dicht steckten Katapultgeschosse im Waldboden. Was war hier passiert? Eine Schlacht? Zunächst aber: Wie sollte man diesen Ort geheimhalten, um nicht Raubgräber anzulocken? Lönne entschied, nur wenige Menschen einzuweihen, darunter Michael Geschwinde, den Bezirksarchäologen aus Braunschweig. Um nichts zu riskieren, trafen sie sich mit Helfern an einem Rasthof und fuhren zum Harzhorn, um das Gelände mit Metallsuchgeräten zu erkunden. "Das war eine richtige Nacht-und-Nebel-Aktion", sagt Lönne. "Niemand durfte davon erfahren." Dann stellten sie ein Expertenteam aus Archäologen und Historikern, Technikern, Naturwissenschaftlern und einem Numismatiker zusammen, die den Ort der Schlacht am Harzhorn zwischen Römern und Germanen um das Jahr 235 (siehe im Heft Seite 66) seither systematisch erkunden. Mehr als 1500 Funde haben sie schon gemacht. "Es ist ein unglaublich spannendes Projekt", sagt Lönne. "So etwas passiert nur einmal im Berufsleben."Und noch immer empfindet sie die besondere Atmosphäre dieses Waldgebiets. "Wenn ich dort bin, habe ich jedes Mal ein Kribbeln im Bauch."


(NG, Heft 6 / 2010, Seite(n) 8)
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