Es ist der 29. April 1978, ein klarer Tag, als der Japaner Naomi Uemura die Flaggen der Länder, die seine Expedition unterstützen, an eine Leine hängt. Zum ersten Mal hat ein Abenteurer ganz allein zu Fuß den nördlichsten Punkt der Erde erreicht. Auch die National Geographic Society finanziert Uemuras Vorhaben - wie sie einst auch die Expedition von Robert Peary unterstützte, der am 6. April 1909, vor genau 100 Jahren, als erster Mensch (aber mit Mannschaft) am Nordpol war. Wie sein Vorbild ist Uemura, 1941 geboren, ein erfahrener Abenteurer. Hat Japan der Länge nach zu Fuß durchquert, den Kilimandscharo, Montblanc und Mount Everest bestiegen. Doch der Marsch zum Nordpol ist eine extreme Erfahrung. "Ich bin schweißgebadet", notiert er unterwegs. "Ich höre, wie der Bär draußen die Lebensmittelvorräte durchstöbert. Hoffentlich gibt er sich damit zufrieden." Das Thermometer zeigt minus 40 Grad. Immer wieder muss der Japaner mit einer Stange den Weg durch Eispressungen bahnen, für sich, seine Hunde und den schweren Schlitten. Von einem Flugzeug werden Lebensmittel abgeworfen, sonst ist er auf sich gestellt. Dann, 55 Tage nach dem Aufbruch von Cape Columbia auf Ellesmere Island in Kanada, ist Uemura am Ziel. Doch das Abenteuer lässt ihn nicht los. Bald nach der Rückkehr plant er die nächste Expedition. Im Winter will er allein den Mount McKinley in Alaska, mit 6194 Metern der höchste Berg Nordamerikas, besteigen. Er erreicht den Gipfel und wird beim Abstieg noch einmal von einem Piloten gesehen, dann, im Februar 1984, verliert sich seine Spur. Seine Leiche wurde nie gefunden.
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