Erste Etappe: Von Catawba Mountain bis Daleville

Autor: Susanna Muschik  —  Bilder: Susanna Muschik
McAfee Knob

Bild: Susanna Muschik Vergrößern

Einer der am häufigsten fotografierten Ausblicke des Trails: McAfee Knob. Mit etwa 960 Metern ist der Berg nicht besonders hoch, der Blick über die Wälder der Appalachen ist dennoch spektakulär.

Das Außenthermometer zeigte 94 Grad Fahrenheit (etwa 34 Grad Celsius), als wir aus dem klimatisierten Auto von Maurice stiegen und zum ersten Mal die weiße Markierung des Appalachian Trails – kurz AT – zwischen den Bäumen hervorschimmern sahen. Maurice, ein älterer Herr, sehr amerikanisch mit silbergrauer Tolle, hatte uns von der Busstation in Roanaoke zunächst zum Wal-Mart und dann zum Catawba Mountain gebracht, wo der Trail den Highway kreuzt. Nach 42 Stunden Anreise waren wir endlich angekommen. Von nun an würden wir fünf Wochen lang auf dem berühmten Appalachian Trail wandern, mit insgesamt knapp 3400 Kilometern einer der längsten Weitwanderwege der Welt.

Erschöpft und bereits ziemlich hungrig verstauten wir unsere Wal-Mart-Einkäufe (einschließlich eines armlangen belegten Baguettes und einer kindskopfgroßen Melone) in den Rucksäcken und stapften los. Wir hatten uns vorgenommen, unser Lunch ganz malerisch auf dem McAfee Knob einzunehmen, dem ersten Gipfel der Tour. Das war, um es vorsichtig auszudrücken, etwas überambitioniert: Für die sechs Kilometer benötigten wir quälende drei Stunden. Die zusätzlichen Lebensmittelkilos drückten auf die Schultern, die Sonne brannte vom Himmel, die Beine waren schwer vom langen Sitzen in Flugzeug und Bus. Zusätzlich zuckten wir bei jedem Rascheln im Unterholz zusammen, hatte uns doch ein Schild vor den aktiven Bären in dieser Gegend gewarnt. Man solle pfeifend und singend durch den Wald wandern, um es gar nicht erst zu unangenehmen Begegnungen kommen zu lassen. Leider waren wir dafür zu sehr außer Atem, nach ein paar halbherzigen Versuchen (ehrlich gesagt, man kommt sich auch ziemlich lächerlich vor) stapften wir still leidend den Berg hinauf.
Endlich, ich konnte kaum noch geradeaus laufen, lichtete sich der Wald und wir kamen an die rauen Felsvorsprünge des McAfee Knob. Vor uns öffnete sich der Blick auf die blauschimmernden Bergketten der Appalachen. Weiße Wolkenfetzen zogen gemächlich über die Gipfel, der Wald lag friedlich zu unseren Füßen. Es war unbeschreiblich schön.
Wir ließen die Rucksäcke fallen, rollten die Isomatten aus und teilten uns das saftig belegte Sandwich.

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