Das zweite Leben des Mülls

Autor: Charlotte Harke  —  Bilder: Theodore Kaye
Arthur Huang Main

Egal ob beim Hausbau oder bei der Konstruktion von Flugzeugen – geht es nach Arthur Huang, kann fast jede Industrie von wiederverwerteten Materialien profitieren. Der innovative Ingenieur aus Taiwan wird von der National Geographic Society als Emerging Explorer gefördert.

Was kann man alles aus Müll herstellen?
Die Möglichkeiten sind unglaublich groß. Das Recycling von manchen Materialien gehört schon zu unserem Alltag – denken Sie an Kleidung oder Verpackungsmaterial. Aber meine Firma Miniwiz hat nun aus PET Flaschen sogenannte Polli-Bricks konstruiert – das sind wabenförmige und dadurch extrem belastbare Hohlformen, aus denen man sogar Häuser bauen kann. Das dreistöckige EcoARK-Gebäude in Taipeh besteht im Grunde aus 1,5 Millionen Plastikflaschen, die an einer Stahlkonstruktion befestigt wurden. Wir haben um die tausend neue Materialien und Anwendungen entwickelt, die auf Müll basieren. Eine große Herausforderung ist nun, Recylingprodukte auch in Transportmitteln einzusetzen.

Warum ist das besonders schwierig?
Wegen der extremen Belastung bei hohen Geschwindigkeiten und der Sicherheitsstandards. Bei Flugzeugen wird zum Beispiel derzeit viel Kohlefaser verbaut. Dieses Material ist leicht, haltbar – und giftig. Die Herstellung von Kohlefaser ist äußerst umweltschädlich. Und das Material kann nicht recycelt werden. Wir arbeiten deshalb mit dem US-Luft- und Raumfahrtingenieur Burt Rutan zusammen, um herauszufinden, ob man Kohlefaser durch recycelte PET-Flaschen ersetzt kann. Wenn künftig auch nur ein Prozent eines Flugzeugs aus wiederverwertetem Abfall bestände, wäre das ein großer Erfolg. Recycling gibt es seit Jahrzehnten.

Warum ist es nicht längst elementarer Teil von Design und Produktion?
Das liegt wohl daran, dass es immer noch zu wenige Produkte auf dem Markt gibt, die aus recyceltem Material hergestellt werden. Uns ist gar nicht bewusst, was man alles aus Abfall herstellen kann. Und so werfen wir viele sehr wertvolle Materialien nach einmaligem Gebrauch weg. Was für ein Irrsinn, denn Plastik ist ja sehr lange haltbar. In den vergangenen Jahren haben die Konsumenten ein gewisses Umweltbewusstsein entwickelt, doch dessen Umsetzung im Alltag hängt noch hinterher. Woran liegt das? Das ist ein strukturelles Problem. Wenn die Wertschöpfung in der Gesellschaft umweltfreundlicher ablaufen soll, müssen sich viele Konzerne verändern und unter Umständen Geschäftszweige aufgeben. Da geht es um viel Geld, entsprechend groß ist der Widerstand.

Was planen Sie als Nächstes?
Wir wollen eine Wissensplattform aufbauen, auf der wir unser gesamtes Wissen über die Wiederverwertung von Müll für Wissenschaftler, Architekten und Designer zugänglich machen. Wir haben eine Dependance in Berlin eröffnet, und auf unserer Website miniwiz.com stellen wir erste Ideen vor, was man alles aus Abfall machen kann.


(NG, Heft 1 / 2017, Seite(n) 6,7)
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