Sechste Etappe: Northern Virginia

Autor: Susanna Muschik  —  Bilder: Susanna Muschik
Dick's Dome Shelter

Bild: Susanna Muschik Vergrößern

Auch mal nett: Ein Shelter für vier Wanderer. Meist bieten die Unterkünfte aber Platz für sechs bis acht Personen.

Drei Wochen waren nun vergangenen und wir näherten uns Front Royal, der ersten größeren Stadt nach dem Shenandoah Nationalpark. Von anderen Hikern hatten wir die Telefonnummer eines älteren Ehepaars bekommen – Sharon und Tom – die AT-Wanderern kostenfrei ein Zimmer zur Verfügung stellen und zudem mit einem riesigen Dinner am Abend beglücken. Außerdem kann man seine Wäsche waschen, heiß und lange duschen und überhaupt mal wieder ein wenig Zivilisation genießen. Sharon und Tom haben früher in der Army gedient und widmen sich seit ihrer Pensionierung der Pflege des Appalachian Trails und derer, die ihn erwandern.
Wir ließen uns ordentlich verwöhnen, das Glück war wieder einmal auf unserer Seite.

Der nächste Morgen war leider weniger erfreulich, ich hatte mir irgendetwas eingefangen und lag mit heftigen Bauchschmerzen und anderen unschönen Beschwerden im Bett. Erst gegen Mittag wurde es besser, ich fühlte mich jedoch ziemlich schwach auf den Beinen. Sharon brachte uns deshalb direkt nach Linden, von dort waren es nur noch wenige Kilometer zum Dick’s Dome Shelter, wo wir unsere Übernachtung geplant hatten. Es regnete in Strömen, als wir aus dem Auto stiegen, doch wir wickelten uns tapfer in unsere Regenkleidung und stapften los. Glücklicherweise hielt das schlechte Wetter nur bis zum Abend an, der nächste Tag war bedeckt, aber trocken.

Wir befanden uns nun auf dem berüchtigten „roller coaster“ – der Achterbahn – einem Teilstück mit zehn steilen An- und Abstiegen innerhalb von 20 Kilometern. Das mag sich unspektakulär anhören, aber spätestens nach fünf dieser fiesen Hügel wünscht man sich, die Beine mögen einem abfallen und man könnte einfach an Ort und Stelle liegen bleiben. Jeder Schritt ist anstrengend, der Schweiß läuft in Strömen. Das Schlimmste dabei ist die Erkenntnis, dass man das alles freiwillig macht. Es zwingt einen ja keiner, sich stundenlang durch die Pampa zu schleppen. Gerade auf den anstrengenden Teilstücken fällt einem auch partout nicht ein, was zum Teufel man eigentlich hier macht und wie man auf diese hinverbrannte Idee gekommen ist. Das vergeht aber nach einer Weile wieder, meistens jedenfalls.

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