Siebte Etappe: West Virginia und Harpers Ferry

Autor: Susanna Muschik  —  Bilder: Susanna Muschik
Das Standardfoto

Bild: Susanna Muschik Vergrößern

Jeder Hiker stattet der Appalachian Trail Conservancy einen kurzen Besuch ab und lässt ein Foto von sich vor dem Eingangsschild machen. Echte "Thru-Hiker" kommen mit ihrem Foto sogar in ein spezielles Buch.

Endlich erreichten wir Harpers Ferry, ein 300-Seelen-Örtchen auf dem 13 Kilometer langen Wegabschnitt durch West Virginia. Hier hat die Appalachian Trail Conservancy (kurz ATC) – die Freiwilligenvereinigung, die sich um den Weitwanderweg kümmert – ihren Hauptsitz und jeder Hiker schaut in dem kleinen Gebäude vorbei, um die zwei Meter lange Reliefmappe des AT zu bewundern und ein Foto vor dem Eingang der Zentrale machen zu lassen. Jule und ich kauften außerdem ein paar Rucksackaufnäher und begaben uns anschließend zum Lunch in das „Town’s Inn Pub & Eatery“. Dort trafen wir auf Greg, einen Physiker aus Florida, der den Trail seit Jahren in kleinen Etappen erwandert. In ziemlich kleinen Etappen sogar, er läuft selten mehr als 20 Kilometer am Tag und gönnt sich so oft es geht eine Übernachtung in Hotels und Pensionen. Dennoch ist er mit den besten und neuesten Ausrüstungsgegenständen ausgestattet. Als wir ihn trafen, lud er gerade eine Tierbestimmungs-App auf seinem iPod touch herunter.

Da wir – anders als Greg – so wenig Geld wie möglich für Übernachtungen ausgeben wollten, blieben wir nicht in Harpers Ferry, sondern wanderten etwa neun Kilometer weiter in das „Harpers Ferry Hostel“. Eigentlich hatten wir dort für eine Handvoll Dollar auf der Wiese zelten wollen, doch damit wären wir von jedwedem Komfort im Haupthaus ausgeschlossen worden (einschließlich Badezimmer und Waschmaschinen). Es blieb uns nichts weiter übrig, als die Kreditkarte zu zücken. Die heiße Dusche entschädigte uns allerdings, ebenso das Fach mit dem kostenlosen Essen im Kühlschrank. Ich hatte zudem Gelegenheit, einen Blick in den Spiegel zu werfen – und war ziemlich erschrocken: Über meine gesamten Beine hatten sich rote Pusteln und kleine Bläschen ausgebreitet, die jeweils höllisch juckten und ziemlich ekelhaft aussahen.
Ich hatte Bekanntschaft mit Poison Ivy – dem eichenblättigen Giftsumach – gemacht.

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