Wir, Ricarda und Ansgar, möchten in diesem Bericht unsere einmaligen Erlebnisse in der kanadischen Arktis zusammenfassen und ein paar Höhepunkte besonders hervorheben.
Die arktische Sonne lachte auf unsere fröhlichen Gesichter. Nach einer langen Anreise bis nach Clyde River, über 70° Nördliche Breite, setzten wir die Segel unserer liebgewonnen Segelyacht Pangaea! Und die Natur meinte es von Anfang an gut mit uns: Schon nach weniger als 15 Minuten hallte es über Bord: „Eisbär! Eisbär im Wasser.“ Wir acht Young Explorers aus aller Welt hatten wirklich Glück einen wilden Eisbären aus nächster Nähe betrachten zu können, denn so eine Begegnung geht an Land oft tödlich aus.
Kaum waren wir aus dem schützenden Fjord draußen, begrüßten uns dutzende Eisberge. Diese weißen Kolosse brechen von Gletschern in Grönland ab und werden dann von den Strömungen in Richtung Süden getrieben um dort einen Schmelz-Tod zu sterben. An den Eisbergen beeindruckten uns der ständige Wechsel der Formen und die klaren Farben des Eises. Schließlich beschloss Expeditionsleiter Mike Horn, dass wir auf einen Eisberg klettern. Zuerst war uns etwas mulmig zumute auf gefrorenem Wasser zu stehen. Doch als wir das Segelschiff um uns herumfahren sahen und spürten, wie sich der Eisberg mit den Wellen auf und ab bewegte, genossen wir diesen einzigartigen Moment! Aber auch die schiere Größe der Eisberge imponierte uns, immerhin befindet sich nur ein Zehntel über der Wasseroberfläche.
Vom Sam-Fjord aus begannen wir dann unsere dreitägige Gletschertour. Um auf das „ewige Eis“ zu gelangen mussten wir uns aber zuerst mühsam über die steinige Endmoräne schuften. Um all das Material, wie Zelte, Campingkocher und Steigeisen transportieren zu können, zogen wir Jugendlichen einen Schlitten hinter uns her. Bei steilen Passagen zogen die etwa 50 kg-Last einen hinunter ins Tal, trotz der Kälte kamen wir also ins Schwitzen und Keuchen. Wir wurden aber mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt! Eine solche weite vollständig unberührte Landschaft aus Gletschern, Fjorden und Bergen hatte vorher noch nie jemand von uns gesehen! Besonders das Wissen, dass sich weit und breit keine Menschenseele befindet, war unfassbar. Wir hatten zwar kuschelig warme Schlafsäcke in unseren Zelten, doch trotzdem mussten wir in der bis zu -10°C kalten Nacht zusätzlich all unsere Klamotten tragen: Socken, Daunenjacke und Mütze. Der Abstieg stellte sich als letzter Kraftakt für die Oberschenkelmuskeln heraus, denn der schwere Plastikschlitten war oftmals schneller als gewollt und zog einen ständig nach unten. Die Muskeln verkrampften sich schließlich aufgrund der ständigen Belastung.
Nach der Gletscherüberquerung kam, wovor wir alle großen Respekt hatten: das Klettern an der Steilwand! An zwei Seilen zogen wir uns knapp 200 Meter an der Felswand in die Lüfte. Wir lernten, dass Vertrauen in die Ausrüstung äußerst wichtig ist, wenn man so in der Luft herum baumelt. Als uns der Wind um die Ohren pfiff war es schön, sich an die von der Sonne aufgewärmte Wand zu lehnen. Der absolute Höhepunkt war die Nacht, die wir direkt an der Felswand verbrachten. Wir schliefen auf klappbaren Liegen, die man im rechten Winkel an der Wand befestigt. Das Gefühl, 200 Meter unter sich nur Luft zu haben, ist unglaublich aufregend. Über die Nacht waren die im Fjord liegenden Wolken aufgestiegen und wir wachten patschnass auf. Alle drei Jackenschichten und der Schlafsack waren durchnässt, dazu blies ein kalter Wind. Wir zitterten und bibberten und waren trotzdem überglücklich, dieses unvergessliche Schlaferlebnis erfahren zu haben.
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