Seit dem 23. Oktober ist Kerstin Dörner unterwegs: Gemeinsam mit Jugendlichen aus aller Welt begleitet die 18-jährige Schülerin den Abenteurer Mike Horn. Seit einem Jahr befindet sich der Naturschützer auf einer Expedition rund um den Erdball. Bis 2012 will er mit seiner Segelyacht "Pangaea" insgesamt 100000 Kilometer zurücklegen und sich weltweit für verschiedene Umweltprojekte engagieren. Exklusiv bei uns berichtet Kerstin über ihre Erlebnisse.
Montag, 16. November 2009
Bild: Mike Horn SARL/Photo: Dmitri Sharomov Vergrößern
Kerstin Dörner und Mike Horn. Der Abenteurer hat sie eingeladen, im nächsten Sommer für ein paar Monate auf der Pangaea zu arbeiten.
“All we want to show you is that anything is possible. I have given you a key: the door is open, so walk through it.” Mit diesen Worten verabschiedete Mike uns vom Boot.
Ich habe in diesen drei Wochen viel gesehen und erlebt. Es begann mit dem Flug von Kuala Lumpur über Borneo nach Tawau, an der Nordostküste der Insel. Aus dem Fenster des Flugzeugs konnte man deutlich die Spuren der Abholzung und die zahlreichen neu entstehenden Palmölplantagen erkennen.
Die nächsten Tage waren geprägt vom Erforschen und Entdecken der Biodiverstität unter Wasser. Ich kann mich noch gut an die erste Begegnung mit einem Hai erinnern. Die Furcht wandelte sich in Faszination und Begeisterung. Und als wir dann erfuhren, wie den Haien zugesetzt wird, hatten sie unser, oder zumindest mein Herz erobert. Es ist doch lebensverachtend, einem Hai die Flossen abzuschneiden und ihn dann ins Meer zurückzuwerfen, wo er jämmerlich erstickt.
Wir haben durch die Riffuntersuchungen und -dokumentationen erkannt, wie fragil und bedroht diese Ökosysteme sind. Wir haben gelernt, tropische Indikatorfische und -invertebraten zu bestimmen, Korallen zu unterscheiden und auf Krankheiten, Bleiche oder Algenbewuchs zu achten. Wir haben die „Hot spots“ wie Sipadan betaucht, aber auch Korallenfriedhöfe. Gerade dort, wo keine Schutzgebiete eingerichtet sind, zerstören Dynamit- und Cyanidfischerei die Riffe. Bei unseren Aufräumaktionen fanden wir häufig Giftpatronen. Doch nicht nur diese, sondern auch säckeweise Plastikmüll.
Vor der Küste Borneos liegen viele kleine „Südseetraum“ Inseln. Sie sehen von der Ferne fast schon kitschig aus mit den Palmen und dem weißen Sand. Wenn man sie dann aber betritt und den Blick über den Boden schweifen lässt, erblickt man das Übel: Plastik und zwar in großen Mengen. Es ist keine Aufgabe das aufzuräumen, sondern eine Pflicht.
Zu sehen, wie sich kleine Schildkröten ihren Weg ins Leben bahnen, wohlwissend, dass nur 1% überleben wird, zu erleben, wie kräftig Orang-Utans sich von einem Baum zum anderen schwingen und mit einfachen Mitteln zu helfen, das wird wohl ewig in meinem Gedächtnis haften bleiben.
Die Abholzung im Kontrast zum dichten primären Regenwald, die engen Höhlenpassagen, das Schwimmen zur Nordspitze Borneos, alles Erfahrungen, die mich verändert haben, die meinen Horizont erweitert haben. Ich habe einen neuen atemberaubenden Teil der Schönheit unserer Erde sehen dürfen und nun geht es darum sie zu bewahren.
Einige Projekte geistern in meinem Kopf herum. Manche hier, etwa das Installieren einer Solaranlage auf dem Dach unserer Schule, finanziert durch uns Schüler; manche in Malaysien, etwa die Installation eines Müllmanagementsystems für die größeren Inseln und weitere Aufräumprojekte; manche weltweit, etwa ein großes Anti-shark-finning Projekt, zum einen zur Aufklärung, dass Haie keine Mordmaschinen, sondern schützenswerte Lebewesen sind, zum anderen zum direkten Kampf gegen den Konsum von Haiflossen. Mike hat Kontakt zu Jackie Chan und anderen berühmten Chinesen, vielleicht kann man so zumindest die jüngere Generation in China zum Umdenken bewegen. Häufig fehlt das Wissen, wie und warum man keine Haiflossen essen soll - diese Lücke müssen wir schließen.
Wir, die junge Generation, müssen handeln, auch wenn wir oft nicht angehört werden, weil wir zu unerfahren sind, weil man uns vorwirft, dass wir nichts erreichen können. Doch wenn wir es nicht versuchen, dann können wir nie etwas erreichen, dann haben wir bereits verloren.
Das Ende unserer Reise, war nicht das Ende des Abenteuers, es ist der Beginn einer neuen Herausforderung.
Nächste Seite: Dienstag, 10. November / Mittoch 11. November 2009
Junge Abenteurer aufgepasst!
Für die nächsten Stationen der Expedition können sich weiterhin Jugendliche im Alter zwischen 13 und 20 Jahren bewerben. Weitere Informationen gibt es hier. mehr...