Karl Mauch

Karl Mauch durchzieht das Gebiet zwischen Limpopo und Sambesi im Süden Afrikas. Seine Expeditionen sind voller Strapazen, einmal verhungert er fast. Doch dann macht er eine sagenhafte Entdeckung: die Ruinen der Königstadt Simbabwe.

Afrika, da sind sich die Europäer im 19. Jahrhundert ganz sicher, ist ein Kontinent ohne eigene Kultur. Kannibalen in Hütten, wilde Tiere im Busch, aber keine eigene Schrift, keine wissenschaftlichen Errungenschaften und was sonst noch alles so zur Zivilisation gehört. 1871 widerlegt Karl Mauch als Erster dieses Vorurteil. Dafür hat er einen langen Weg voller Entbehrungen zurückgelegt.

Sein Vater ist Tischler, die Familie arm. 1856 wird Karl Mauch Volksschullehrer im Allgäu. Dann arbeitet er fünf Jahre lang bei einer steiermärkischen Familie als Hauslehrer. Die Enge ist ihm unerträglich, er träumt davon, Afrikaforscher zu werden. Parallel zur Arbeit beginnt Mauch mit den Vorbereitungen für seine Forscherkarriere. Er lernt Englisch, Französisch, die Grundzüge der arabischen Sprache. Er legt Sammlungen von Pflanzen, Steinen und Insekten an, erwirbt medizinische Kenntnisse. All das für sich allein und ohne Förderung.

Im Jahr 1863 geht Karl Mauch für fünf Monate nach London, wo er am Britischen Museum weitere vorbereitende Studien treibt. Danach verschlägt es ihn nach Memel, wo er im Oktober 1864 auf einem deutschen Schiff einen Reiseplatz nach Afrika ergattert. Er zahlt fünf Pfund, den Rest für Überfahrt und Verpflegung arbeitet er an Bord ab.

Am 15. Januar 1865 kommt Karl Mauch in Durban an der südafrikanischen Küste an. Ohne Geld, aber mit umso größerem Forscherdrang. Ihn interessiert das unbekannte Land nördlich des Limpopo. Mauch verdient zunächst etwas Geld in Pietermaritzburg. Dann schließt er sich im April einem Zug mit Ochsenwagen nach Transvaal an. Sie ziehen über die Drakensberge und das Hochland des Oranje-Freistaats, wo sie riesige Antilopenherden sehen. Ende Juni 1865 erreicht Mauch die kleine Siedlung Rustenburg, reist dann weiter nach Potchefstroom. Der Ort wird sein Stützpunkt, um Transvaal zu erforschen. Mit seinem Landsmann Friedrich Jeppe gelingt es ihm, das riesige Gebiet komplett zu kartieren. Eine wissenschaftliche Meisterleistung, zumal Mauch zu Beginn nur mit einem Taschenkompass ausgerüstet ist. Die Karte wird in Deutschland vom Geographen August Petermann veröffentlicht.

Im Frühjahr 1866 lernt Mauch den Elefantenjäger Henry Hartley kennen. Er reist mit ihm nach Norden, über den Limpopo ins Matabeleland. Sie besuchen die Residenz des Königs, werden aber durch das Misstrauen der Bevölkerung zur Weiterreise gezwungen. In mehr als sieben Monaten durchqueren sie 3500 Kilometer Steppe im heutigen Simbabwe, überschreiten die Wasserscheide zwischen Limpopo und Sambesi. Der deutsche Entdecker zeichnet genaue Karten dieses Gebiets. Mauch trägt nicht nur topographische Daten ein, sondern auch die Verbreitungsgebiete der Tsetse-Fliege, die Anzahl der Missionsstationen und die Krale der Eingeborenen. Er unterscheidet Flüsse, die immer Wasser führen, von denen, die monatelang ausgetrocknet sind. Petermann, dem er das Werk zur Veröffentlichung schickt, ist begeistert. Er organisiert Geldspenden für den mittellosen, aber viel versprechenden Forscher, an denen sich auch Gerhard Rohlfs beteiligt.

Im März 1867 bricht Mauch mit Hartley zu einer weiteren Reise auf. Sie überqueren den Umfuli-(Mupfure-)Fluss, gelangen ins Mashonaland. Dort stößt Mauch auf seltsame Gruben, einen Schmelzplatz und goldhaltige Gesteinsbrocken. Das ganze Gebiet ist von hohem Gras und Bäumen überwuchert. Aber kein Zweifel – Mauch hat zwei verlassene Goldfelder entdeckt. Am Ufer des Tati findet er ein drittes. Kein Mensch weit und breit, keine Antwort auf die Frage, warum hier niemand mehr schürft.

Nach seiner Rückkehr im Dezember meldet Mauch die Entdeckung den englischen Behörden in Natal. Sie bieten ihm die Leitung eines Unternehmens an, das die Gruben erschließen soll. Mauch überlegt hin und her. Das hieße, keine Geldsorgen mehr! Aber was würde aus seinen Forscherplänen? Als weitere finanzielle Unterstützung aus der Heimat eintrifft, lehnt er den Posten ab.

Im Mai 1868 bricht Karl Mauch erneut ins Matabeleland auf. Er folgt dem ausgetrockneten Fluss Bubi, leidet an Hunger und an Durst. Er wird von den Matabele als Spion verdächtigt, verschleppt und wieder freigelassen. Abgemagert zum Skelett erreicht Mauch im Oktober die englische Missionsstadt Inyati. Für weitere Reisen in den Norden hat er zunächst keine Mittel. Im Dezember 1870 fährt er allein mit einem drei Meter langen, flachen und morschen Boot den Vaal bis zu den Diamantenfeldern von Hebron hinab. Er überwindet 33 Stromschnellen und einen acht Meter hohen Wasserfall. Mauch macht sich zu Fuß auf den Rückweg. Er ist mehrere Monate unterwegs.

Ende Juli 1871 tritt Karl Mauch seine letzte und größte Reise an. Er hat schon vor Jahren von einer sagenumwobenen Ruinenstadt gehört, die jenseits des Limpopo liegen soll. Diese möchte er finden. Am 10. August erreicht er den Fluss. Er zieht weiter nach Norden, wird ausgeraubt, ist halb verhungert, denkt sogar an Selbstmord. Mauch wird von den Makalaka zunächst gerettet, dann auch von diesen bedroht. Aber er hat Glück im Unglück. Der deutsche Abenteurer Adam Renders lebt beim benachbarten Volk der Shona. Er nimmt Mauch in „seinem“ Dorf Pikas Kral auf.

Am 5. September 1871 stößt Mauch auf einen Granithügel im Gras, auf eine überwucherte Mauer, dann auf die Reste eines Palasts und auf ein ganz es Ruinenfeld. Tempel, Türme und alles aus Stein. Aber wer hat sie gebaut? Zu welchem Zweck? Und warum sind sie dann wieder verlassen worden? Die Granitblöcke sind ohne Mörtel aufeinander geschichtet. Ein ellipsenförmiger Bau ist von einer meterhohen Mauer umgeben. Ein Steinturm ragt kegelförmig empor. Keine Inschrift, so sehr Mauch auch danach sucht, drumherum nichts als Wildnis. Ein Rätsel – bis heute.

Der Deutsche bleibt mehr als acht Monate. Er erforscht den weitläufigen Komplex, sucht längst verschüttete Eingänge, dringt in verborgene Kammern ein. Mauch spricht mit den Eingeborenen der Umgebung. Sie berichten von einer Kultstätte, in der ein Hohepriester Opfer darbrachte. Aber viel wissen sie nicht von dem versunkenen Reich. Als der Forscher Ende Mai Richtung Küste aufbricht, ist er der Meinung, dass er Ophir entdeckt hat, das sagenhafte Land aus der Bibel, aus dem König Salomo einst Gold und Edelsteine holen ließ.

Renders, der deutsche Abenteurer, hat die Ruinen schon vier Jahre vorher gesehen, doch sie haben ihn nicht weiter interessiert. Mauch hingegen ist von der Bedeutung seines Funds überzeugt. Er ist sich sicher, dass es hier in früheren Zeiten eine afrikanische Hochkultur gegeben hat.

In Deutschland legt man zu dieser Zeit mehr Gewicht auf die Erforschung des Nil und des Kongo. Das Interesse an Mauchs Nachricht verblasst daher schnell. Dem Forscher gelingt es nicht, nach seiner Rückkehr in der Heimat Fuß zu fassen. Anfang April 1875 stürzt er aus dem dritten Stock seiner Mietwohnung. Ein paar Tage später erliegt er seinen Verletzungen.

Erst Jahre danach erfassen Archäologen die Trageweite seiner Entdeckung. Karl Mauch war der Erste, der Afrika eine eigene Geschichte zugestand.

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