Die Foto-Schule von NATIONAL GEOGRAPHIC (VII)

Robert Caputo: Abend und Nacht

Fotografie bedeutet wörtlich "Lichtzeichnung". Dämmerung und Nacht bieten meist das schönste Licht, sowohl das natürliche als auch das künstliche, mit dem Sie "zeichnen" können: mit den wunderbaren und verschiedenartigen Wolken gleich nach Sonnenuntergang, dem fahlen Schein des Abendhimmels im Winter, den Fahrbetrieben auf einem Jahrmarkt und Neonlichtern, die sich auf einer nassen Straße spiegeln. Fotografisch gesprochen bietet die letzte Stunde vor Sonnenuntergang und die erste der Morgendämmerung das beste Licht.

Für Sonnenuntergänge sind langbrennweitige Objektive meist am geeignetsten, weil sie die Sonnenscheibe groß wiedergeben. An wolkenlosen Tagen entstehen die besten Aufnahmen direkt nach Sonnenuntergang. Messen Sie die Szene sorgfältig aus - suchen Sie nach mittelhellen Objekten in der Szene, gewöhnlich etwa im 45-Grad-Winkel zur Sonne, an denen Sie die Belichtungsmessung vornehmen.

Feuer geben ein Licht ab, das sogar noch wärmer ist als das einer Glühlampe, aber das stellt kein Problem dar, weil wir es gewohnt sind, es als orange oder gelb wahrzunehmen. Sie können beim Fotografieren von Feuern ohne weiteres einen normalen Film verwenden.

Viele Monumente, Statuen und Gebäude werden nachts angestrahlt, und Sie können dieses Licht nutzen, um eindrucksvolle Fotos zu machen. Sollte Ihnen die richtige Farbe wichtig sein, verwenden Sie einen Kunstlichtfilm oder einen Blaufilter (80A) bei Tageslichtfilm. Handelt es sich um Natrium- oder Quecksilberdampflampen, so erzeugen diese bei einem Tageslichtfilm einen Gelb- oder Grünstich. Zwar können Sie einen Magentafilter (für Tageslichtfilme) oder einen Orangefilter (für Kunstlichtfilme) verwenden, um einen Großteil des fluoreszierenden Lichts zu korrigieren, den Farbstich wird man dennoch nie ganz los.

Die beste Zeit, um Aufnahmen vom Mond zu machen, sind die Nächte um Vollmond, kurz nach Mondaufgang, wenn er groß ist, aber noch nicht zu hell scheint. Sie werden ein Teleobjektiv verwenden müssen, wenn Sie wollen, dass der Mond mehr ist als nur ein winziger Punkt am Himmel. Wollen Sie Aufnahmen von der Mondoberfläche machen, dann brauchen Sie ein sehr langes Teleobjektiv, oder Sie können versuchen, ein Teleskop zu benutzen, das mit Kameraadapter ausgerüstet ist. Gleich, ob Sie den Mond selbst oder etwas als Silhouette vor ihm fotografieren, denken Sie daran, eine oder zwei Blenden mehr zu nehmen, um Unterbelichtung zu vermeiden und sicherzustellen, dass der Mond auf dem Foto weiß ist.

Caputos Foto-Tipps

· Wenn Sie gerne Details und nicht die nur dunkle Silhouette eines Motivs im Vordergrund sehen möchten, müssen Sie einen Reflektor oder Aufhellblitz nehmen, um es zu beleuchten. Stellen Sie den Blitz so ein, dass er etwas unterbelichtet, um den Kontrast etwas abzuschwächen.

· Wenn der Mond auf Ihrem Foto erscheint, belichten Sie nicht länger als 1/4 Sekunde. Der Mond verzerrt sich sonst in eine längliche, weiße Masse; die Verzerrung wird umso auffälliger, je länger die Objektiv-Brennweite ist. Am besten nimmt man Landschaften mit Mond dann auf, wenn er zur Zeit des Sonnenuntergangs gerade aufgeht - dann gibt es genug Umgebungslicht und der Mond steht tief und groß.

· Um Sternenbahnen zu fotografieren braucht man lange Belichtungszeiten von 15 Minuten oder mehr, je nachdem, wie lang die Bahnen sein sollen. Wenn Sie kreisförmige Sternenbahnen auf dem Bild haben möchten, richten Sie die Kamera auf den Polarstern.

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