Fotografie

Tipps für Digitalfotografie

In diesem Foto-Guide von National Geographic gibt es Tipps zur Digitalfotografie von den Fotografen Rob Sheppard und Bob Martin. Mittwoch, 22 Februar

Von Rob Sheppard, Bob Martin

Die heutigen Digitalkameras bieten eine hervorragende Bildqualität, die sich auch mit der von Analogkameras messen kann.

Sie sehen aus wie traditionelle Kameras und arbeiten auch so, nur mit ein paar zusätzlichen Funktionen. Komplizierte Kameradesigns verschwinden schnell vom Markt, da Fotografen einfach Bilder machen und sich nicht mit komplizierter Technik aufhalten wollen.

In vielen Aspekten sind die Digitalkameras mit den Analogkameras identisch, einige Dinge wurden leicht verbessert im Vergleich zu Ergebnissen mit Fotofilm und ein paar Funktionen sind eine Besonderheit der digitalen Fotografie. Einige der größten Unterschiede können dabei helfen, bessere Ergebnisse zu erzielen, als man es mit einer Analogkamera je könnte.

Für qualitativ hochwertige Ergebnisse mit jeder Art von Kamera gelten die Grundlagen der Fotografie, egal auf welche Art ein Bild aufgenommen wird. Ein Stativ ist immer dann wichtig, wenn langsame Belichtungszeiten und Teleobjektive verwendet werden. Schnelle Belichtungszeiten sind nach wie vor der Schlüssel zur Ablichtung von Bewegungen, und die Blendenzahl beeinflusst die Tiefenschärfe. Der Fokus eines Bildes muss immer noch auf den wichtigsten Elementen der Komposition liegen und dramatisches Licht hilft dabei, dramatische Fotos zu schießen.

Wegen des „digital“ in Digitalfotografie waren selbst erfahrene Fotografen besorgt, ob diese neue Technologie schwierig zu meistern sein würde. Aber man bedenke: Kein Anfänger hat je eine Kamera in die Hand genommen und wusste, wofür die ganzen Bedienelemente gut waren. Auch für seriöse Fotografen waren Blendenzahl und Belichtungszeiten nicht instinktiv.

KAMERATYPEN

Digitalkameras sind in einer Vielzahl von Ausführungen erhältlich, von Kompaktkameras im Taschenformat bis hin zu hochentwickelten digitalen Spiegelreflexkameras. Es gibt kein Richtig und Falsch, aber spezifische Kameras eignen sich eher für bestimmte Personen und Fotografien.

Einfache digitale Kompaktkameras können mit den richtigen Linsen und Sensoren überraschende Qualität erzielen. Da sie in Bezug auf Bildschärfe und Belichtung vollautomatisch agieren, muss man sie nur auf das Motiv halten und auslösen. Die Möglichkeiten der Bildregulierung sind nur begrenzt, aber auch sehr preiswerte Modelle bieten oft zumindest einen Weißabgleichsregler. Manche sind besonders kompakt und passen sogar in eine Hemdtasche. Damit eignen sie sich ideal, wenn man seine Kamera immer griffbereit haben und keine Motiv verpassen möchte.

Fortschrittlichere Kompaktkameras verlassen sich ebenfalls hauptsächlich auf automatisierte Bedienung, haben jedoch oft spezielle Zusatzfunktionen, um die Kameras etwas flexibler zu gestalten. Zu solchen Funktionen zählen unter anderem Belichtungskorrektur, umfassendere Weißabgleichsregler und begrenzte manuelle Einstellungsmöglichkeiten. Diese Modelle sind noch immer vergleichsweise preiswert und bieten gute Einstiegsmöglichkeiten in die Digitalfotografie. Damit eignen sie sich ideal für die Familien von seriösen Fotografen.

Digitale Spiegelreflexkameras mit austauschbaren Objektiven bieten alle Bedienmöglichkeiten einer analogen 35 mm Spiegelreflex, inklusive einer Fülle an Brennweitenoptionen. Diese Kameras sind definitiv größer als ihre anderen digitalen Verwandten. Zu ihrer Ausstattung gehören umfangreiche Steuerungsoptionen, das Beste, was die Bildsensor und -verarbeitungstechnologie zu bieten hat, sowie ein hoher Grad an Rauschminderung noch vieles mehr. Der LCD-Bildschirm auf der Rückseite einer Spiegelreflexkamera dient lediglich zur Überprüfung der Bilder, da der Sensor aufgrund des Spiegeldesigns Bilder nicht „live“ übertragen kann.

VON ANFANG AN RICHTIG FOTOGRAFIEREN

Die besten Resultate erzielt man mit einer Digitalkamera dann, wenn man es von Anfang an richtig macht. Trotzdem existiert bei manchen Menschen die Vorstellung, dass man sich ja nicht viel Mühe geben muss, wenn einem der Computer „hilft“. Dieser Gedanke hat mitunter fast schon surreale Ausmaße angenommen. Vor ein paar Jahren stand in einem Artikel über Digitalfotografie einer großen Zeitung, dass es Software gibt, die automatisch Amateuraufnahmen in Bilder verwandeln kann, die sich mit denen von Profis messen können. So eine Software hat nie existiert und das wird sie auch nie, da es bei guter Fotografie schon immer um Kunst und Handwerk ging; darum, die Werkzeuge zu verstehen, die man benutzt, und sie geschickt einzusetzen; um die eigene Wahrnehmung und die Fähigkeit, ein Bild einzufangen, das die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht und etwas kommuniziert. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass Digitalfotografie immer noch einfach Fotografie ist.

DIE GRUNDLAGEN

Der verbreitetste Fehler sind Verwacklungen. Wenn die Kamera im Moment des Auslösens unabsichtlich bewegt wird, riskiert man, dass das Bild verschwimmt oder unscharf wird. Daher: Kamera ruhig halten!

BELICHTUNG

Die meisten Kompaktkameras haben eine einfache Funktion zur Belichtungsanpassung, die es im Normalfall erlaubt, ein Bild über- oder unterzubelichten. Wenn das Objekt größtenteils dunkel ist, kann man mit Überbelichtung experimentieren, um das auszugleichen. Ist es größtenteils hell, fährt man mit Unterbelichtung am besten. Idealerweise sollte man ein Testbild machen, es auf dem Bildschirm auf der Kamerarückseite ansehen, das Histogramm überprüfen und dann die Belichtung anpassen. Man sollte sich nicht scheuen, ruhig vier oder fünf Aufnahmen zu machen, da der LCD-Bildschirm das Ergebnis nicht immer ganz akkurat wiedergibt. Die schlechten Bilder kann man später einfach löschen.

KOMPOSITION

Die grundlegende Regel der Komposition ist die Drittel-Regel bzw. die Zwei-Drittel-Regel. Man stellt sich den LDC-Bildschirm dabei in neun gleichgroße Quadrate unterteilt vor. Das Bild sollte man so komponieren, dass das Bildobjekt sich auf einen der vier Punkte zentriert, an denen sich die Linien der Quadrate überschneiden. Diese Regel hilft dabei, ästhetischere Portraits zu schießen.

ZOOM

Eine Kompaktkamera wird vermutlich ein Objektiv mit Autofokus haben. Schnell wird man dabei entdecken, dass die Möglichkeit, das Objekt heranzuzoomen, ganz fantastisch ist. Da kann man ruhig mutig sein, den Zoom nutzen und ein Bild komponieren, in dem das Objekt das ganze Bildfeld ausfüllt. Zunächst einmal wäre es überraschend, wenn man nicht eine Menge Bilder erhält, die relativ klein im Bildfeld sind. Wenn man durch den Sucher blickt, betrachtet man am besten das komplette Bildfeld und wie groß das Objekt im Gesamtbild ist; man sollte nicht nur in die Augen der Person schauen, die man fotografiert.

DIE PERSPEKTIVE ÄNDERN

Die Perspektive ist ein anderer Faktor, den es beim Fotografieren zu bedenken gilt. Ein Bild kann interessanter wirken, wenn es in einem ungewöhnlichen Winkel fotografiert wird. Man sollte keine Scheu haben, sich hinzulegen und zu seinem Bildobjekt hinaufzusehen – ein besonders dynamischer Ansatz, wenn man Haustiere und Kinder fotografiert, der auch weniger bedrohlich auf das Motiv wirkt. Ebenso kann man versuchen, einen höheren Standpunkt einzunehmen und auf das Objekt hinunterzusehen. Am besten versucht man beides und löscht einfach die Ergebnisse, die einem nicht gefallen.

DIGITALE BILDER ÜBERTRAGEN

Die heutigen Digitalkameras werden bereits mit Equipment geliefert, um die Fotos auf den Computer zu übertragen. Das beinhaltet meist irgendeine Art von Kabel, einige Kameras nutzen aber auch Infrarotschnittstellen und andere kabellose Technologie. Eine direkte Verbindung ist womöglich nicht für jeden Fotografen die beste Methode, um die Bilder auf die Festplatte zu bekommen. Viele Menschen finden Kartenleser deutlich praktischer.

DER SCHLÜSSEL ZUR ARBEIT IM DIGITALEN FOTOLABOR

Viele Fotografen haben sich an Bildbearbeitungsprogrammen wie Adobe Photoshop versucht und fanden den ganzen Prozess schwierig, verunsichernd und mühsam. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass viele Anleitungen in Büchern und Kursen einen falschen Ansatz für Fotografen verfolgen: Sie widmen sich zu sehr der Software und nicht der Fotografie.

Das Bild „regiert“. Es ist wichtig, das im Hinterkopf zu behalten. Wenn die Software den Ton angibt, liegt der Fokus nicht auf dem Bild, sondern darauf, all die Funktionen des Programms zu erlernen. Viele Fotografen haben schon Kurse über sich ergehen lassen, die ihnen etwas über Auswahl und Ebenen beigebracht haben, lange bevor sie überhaupt eine Ahnung hatten, warum sie dieses Wissen benötigen könnten. Das lag einfach daran, dass der Kursleiter dachte, diese Dinge seien die wesentlichen Bausteine von Photoshop.

Als Fotograf kennt man sein Foto und weiß, was dessen Intention war. Sicher weiß man vielleicht nicht alles darüber, was man mit dem Bild in einem bestimmten Programm anstellen könnte, aber das ist weniger wichtig als zu wissen, warum man ein Foto aufgenommen hat. Nur der Fotograf selbst weiß das, und seine Absicht wird ihn, selbst in Photoshop, ruhig und sicher auf einer Reise begleiten, die nicht von Technik besessen, sondern von seinem Handwerk bestimmt ist.

Ohne Angst zu experimentieren ist ein weiterer Schlüsselfaktor für das Arbeiten im digitalen Fotolabor. Oftmals mussten Fotografen einen Preis für ihre Experimentierfreudigkeit bezahlen, und viele sind vorsichtig geworden und bringen diese Vorsicht mit an den Computer. Behalten wir einfach im Gedächtnis, dass man am Computer kaum Dinge mit einem Bild tun kann, die sich nicht rückgängig machen lassen. Man kann sich einfach gehen lassen und sollte keine Angst haben, etwas auszuprobieren.