Der Affenretter

Autor: Charlotte Harke  —  Bilder: Craig Jones/ Orangutan Information Centre
Panut Hadisiswoyo_Main

Panut Hadisiswoyo, 42, setzt sich auf der indonesischen Insel Sumatra für den Schutz der Orang-Utans und den Erhalt ihres Lebensraums ein. Dafür gründete er das Orang-Utan Information Centre. Der Naturschützer wird von der National Geographic Society als Emerging Explorer gefördert.

Wann sind Sie zum ersten Mal einem Orang-Utan begegnet?
Im Jahr 1998, den Moment werde ich nie vergessen. Ich war im Regenwald auf Sumatra unterwegs, nicht weit von meinem Zuhause entfernt. Auf einmal stand mir ein Orang-Utan gegenüber, als habe er auf mich gewartet. Wir sahen uns minutenlang in die Augen. Diese Tiere sind uns Menschen ja sehr ähnlich, sie fühlen und denken fast wie wir. Und das habe ich diesem Affen angesehen.

Was hat das in Ihnen ausgelöst?
Ich wusste schon vorher, dass Orang- Utans vom Aussterben bedroht sind. Das konnte ich von dem Moment an nicht länger zulassen. Bald nach der magischen Begegnung gründete ich das Orang-Utan Information Centre. Die Palmöl-Industrie ist stark gewachsen, was dazu führt, dass auch auf Sumatra viele Plantagen in den Regenwald geschlagen werden, oft illegal. So wird der Lebensraum der Orang-Utans immer weiter zerstört.

Gibt es weitere Gefahren?
Die Abholzung, der Bau von Straßen und Siedlungen – das ist alles ein großes Problem. Die Menschen dringen immer weiter in den Regenwald vor und vernichten ihn. So schwindet der Lebensraum der Menschenaffen, unserer nächsten Verwandten unter den Tieren.

Werden Orang-Utans gejagt?
Allerdings. Die Wilderei und der illegale Tierhandel sind wirklich schlimm. Die Jäger schießen meist die Mutter, damit sie deren Säuglinge in Käfigen fangen können. Dann verkaufen sie die Kleinen für viel Geld als Haustier. Die Menschenaffen werden in Käfigen gehalten oder angekettet, was gleichermaßen grausam ist, und sie dienen als Spielzeug.

Was unternimmt Ihre Organisation dagegen?
Wir gehen zum Beispiel in die Dörfer und erzählen den Menschen, wie wichtig Orang-Utans sind und weshalb wir sie unbedingt schützen müssen. Das Bewusstsein dafür ist in Teilen Südostasiens bisher nicht besonders ausgeprägt.

Gehen Sie auch gegen Holzfäller und Wilderer vor?
Auf jeden Fall, mithilfe der lokalen Bevölkerung. Einheimische suchen zum Beispiel im Regenwald nach den Käfigfallen. Sie haben schon einige Hundert gefunden und entfernt. Zudem wurden Zigtausende illegal angepflanzte Ölpalmen gefällt und insgesamt mehr als eine halbe Million neue Bäume gepflanzt.

Befreien Sie selber Orang-Utans aus Gefangenschaft?
Das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Wir gehen auf Schwarzmärkte und geben Interesse an den Tieren vor. Dabei arbeiten wir schon aus Sicherheitsgründen eng mit dem Centre of Orangutan Protection zusammen. Unser Ziel ist, die Tierhändler vor Gericht zu bringen. 2015 wurde erstmals einer von ihnen auf Sumatra verurteilt. Der Mann wollte drei Orang-Utan-Säuglinge verkaufen und konnte durch unser Engagement zum Glück gestoppt werden. Er bekam zwei Jahre Gefängnis und eine hohe Geldstrafe. Dieses Urteil war ein Meilenstein für den Schutz von Wildtieren in Indonesien.

Sie sagten, dass Orang-Utans uns Menschen sehr ähnlich sind. Reagieren die Tiere auf Ihre Hilfe?
Wir haben in den vergangenen vier Jahren um die hundert Orang-Utans befreit. Die meisten Affen realisieren in dem Moment nicht, dass wir ihnen helfen wollen. Aber es gibt auch Situationen, in denen sie tatsächlich Dankbarkeit ausdrücken. In einem Vergnügungspark in Medan rettete ich vor einigen Jahren das Orang-Utan-Weibchen Cece aus einem Käfig. Als es mich sah, kam es sofort in meine Arme und krallte sich an mir fest. Ich konnte fühlen, wie sehr Cece zurück in den Regenwald wollte.


(NG, Heft 2 / 2017, Seite(n) 6,7)
  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus