Unterwasser-Roboter für alle

Autor: Charlotte Harke  —  Bilder: Patrick Webster
Unterwasser-Roboter \

Bild oben: Die Unterwasserdrohne wird vom Land aus gesteuert und sendet Videos per Kabel nach oben.

Ob die Korallenriffe vor Australien oder die Ostsee vor Warnemünde: Mit dem „OpenROV“ kann jeder das Leben unter Wasser erforschen. David Langaus dem US-Bundesstaat Minnesota hat den Roboter erfunden; er wird von NATIONAL GEOGRAPHIC als Nachwuchsforscher gefördert.

Meeresforscher nutzen Unterwasserroboterschon seit Jahrzehnten, um die Geologie, die Flora und Fauna der Ozeane zu erkunden. Andere Menschenhaben selten Zugang zu diesen aufwendigen Geräten. Das will David Lang mitdem „OpenROV“ ändern. „ROV“ stehtfür „Remote Operated Vehicle“, also ein ferngesteuertes Fahrzeug. Langs Roboter ist eine Maschine, so groß wie ein Schuhkarton, die Livevideos in HD-Qualität aufzeichnet und mittels Kabel zum Laptop, Tablet oder Smartphone an der Oberfläche sendet. Gleichzeitig wird der Roboter von diesen Geräten gesteuert. Seine Batterien ermöglichen es, dass er bis zu vier Stunden unterwegs sein kann. Die Schwimmdrohne erreicht eine Tiefe von bis zu hundert Metern. Der Clou: Der „OpenRov“ besteht fast ausschließlich aus handelsüblichen Komponenten und kann nachgebaut werden. Es handelt sich um eine Open-Source-Technologie, die Teile und Codes für den Roboter sind also online verfügbar. Jeder kann und soll das Modell modifizieren, verbessern und verändern.„Der Roboter ist bereits so beweglich, dass er wie ein Delfin aus dem Wasser springen könnte“, sagt Lang.

Die Idee für die Maschine kam dem Erfinder vor ein paar Jahren, als er zusammen mit seinem Freund Eric Stackpole eine Unterwasserhöhle in den Ausläufern der Sierra Nevada in Kalifornien erkunden wollte. Die Männer hatten von einem verlorenen Schatz aus der Zeit des Goldrausches im 19.Jahrhundert gehört und vermuteten ihn in dem Hohlraum. Es lag nahe, einen Roboter einzusetzen. Aber wie? Und welchen?

Lang und Stackpole starteten die Website openROV.com, teilten ihre Wünsche und Pläne mit und baten um Hilfe. Hobbybastler wie auch professionelle Techniker schickten ihnen Ratschläge. So bauten die beiden Freunde einen Prototyp und erforschten die Höhle. Immer mehr Menschen zeigten Interesse, selbst mit einem Roboter auf Entdeckung zu gehen. Also beschlossen Lang und Stackpole, ihr Projekt auf der Website kickstarter.com zu veröffentlichen und Spenden zu sammeln. Innerhalb von zwei Stunden hatten sie bereits 500 Sponsoren. Seit 2012 vertreiben sie die Roboterbausätze auf der ganzen Welt (Preis: rund 840 Euro).

Lang wird von NATIONAL GEOGRAPHIC als Emerging Explorer (Nachwuchsforscher) unterstützt. Er will erreichen, dass sich mehr Menschen für die Erforschung der Unterwasserwelt interessieren und daran teilhaben. „Unser Planet ist zu etwa 70 Prozent von Meeren bedeckt“, sagt er. „Wir haben jedoch nur eine vage Vorstellung davon, wie es dort unten aussieht, wir kennen nur einen Teil der Pflanzen und Tiere. Ich bin gespannt, was wir entdecken,wenn erst einmal Tausende unserer ,OpenROV‘ im Einsatz sind.“

Lang hat mit der Internetseite openexplorer.com eine Plattform entworfen, auf der alle Amateurforscher ihre Videos veröffentlichen können. Ein besonders Schönes zeigt Pinguine, wie sie auf einen Roboter zuschwimmen und ihn wie einen Freund umarmen.

Und der Schatz der Sierra Nevada? Den haben Lang und sein Freund nicht gefunden. Aber etwas weit Wertvolleres, wie sie sagen: eine Möglichkeit der Meeresforschung, an der alle teilnehmen können.


(NG, Heft 3 / 2017, Seite(n) 6, 7)
  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus