Albert Zink: Der DNA-Detektiv

Artikel vom 02.08.2010  —  Autor: Erwin Brunner

Mumien sind seit vielen Jahren sein Metier. Und so war niemand überrascht, als der Münchner Privatdozent Albert Zink, 44, im Juni 2007 an die Europäische Akademie (Eurac) in ­Bozen berufen wurde, um das neu gegründete „Institut für ­Mumien und den Iceman“ zu leiten. Mit dem „Ötzi“ als Namenspatron ist es die weltweit einzige Einrichtung, die sich ausschließlich mit Mumien befasst. «Heute sind wir das Mumienzentrum, das kontaktiert wird, um Forschungsfragen zu klären», sagt Zink. Leser von NATIONAL GEOGRAPHIC kennen ihn aus unserer Reportage über ­sizilianische Mumien (Februar-Heft 2009). Seit September 2007 bildet Zink mit dem Tübinger Humangenetiker Carsten Pusch und dem Bozener Radiologen Paul Gostner das Expertenteam für die DNA-Untersuchungen der Dynastie von Pharao Tutanchamun.

Herr Professor Zink: Wie wird man eigentlich Mumienforscher?
Das ist eine sehr gute Frage. Es gibt ja kein eigenes Fach. Mumienforscher kommen aus vielen Disziplinen. Sie können Mediziner sein, Biologen, Genetiker – ich selber bin Anthropologe. Und Mumien gibt es nicht nur in Ägypten, sondern fast überall auf der Welt, was aber vermutlich nicht jedem bekannt ist. Mumienforscher wird also jemand, der die Möglichkeit bekommt, Mumien zu untersuchen und dann seine ganze Leidenschaft da reinlegt.

... bis schließlich Tutanchamun dran ist, die wohl faszinierendste und berühmteste Mumie der Welt.
Es war natürlich Glück, da mit einbezogen zu werden. Schon seit etwa 15 Jahren arbeite ich in Ägypten bei Ausgrabungen. Ich habe dann auch weiter in Deutschland Mumiengewebe untersucht, gerade mit den Methoden, die nun auch in Kairo angewandt worden sind mit dieser alten DNA, mit Radiologie und klassischen anthropologischen Methoden. Als mir angetragen wurde, an diesem Projekt mitzuarbeiten, habe ich ­sofort zugesagt, ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen.

Wie darf ich mir das vorstellen? Ruft Sie da eines Tages Zahi ­Hawass an, Ägyptens „Herr der Mumien“?
Nein, Hawass war anfangs gar nicht begeistert von der Idee, DNA-Untersuchungen an den Mumien machen zu lassen. Er stand dem sehr skeptisch gegenüber, weil es viele Kollegen gibt, die sagen, da kann man doch keine DNA mehr finden.

... was bei derart „alten Patienten“ bis vor kurzem ja tatsächlich noch nicht möglich war.
Richtig, als in den 1980er Jahren versucht worden war, alte DNA zu analysieren, ist nichts herausgekommen. Einfach weil die ­Methoden noch nicht so weit entwickelt waren, wie sie es heute sind. Daher hat Hawass lange gesagt: «Nein, an die Mumien ­lassen wir nichts heran!» Erst als es um dieses groß angelegte ­Projekt ging, die Familiengeschichte von Pharao Tutanchamun mit neuesten Methoden zu erforschen, hat er eingewilligt. Es war also viel Überzeugungsarbeit nötig. Und vielleicht konnte auch ich etwas dazu beitragen, ihn zu überzeugen.

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(NG, Heft 9 / 2010, Seite(n) 30)


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