Der Hundeflüsterer

Autor: Interview: Cathy Newman
Cesar Millan

Bild: Mark Thiessen Vergrößern

Cesar Millans Motto: "Hunde brauchen Bewegung, Disziplin, Liebe – in dieser Reihenfolge."

Cesar Millan führt keine Hunde aus. Er führt Hunde. Er befiehlt – mit kerzengrader Haltung und dem Selbstvertrauen eines Gladiators, der weiß: Er ist der Größte. Der unbesiegbare Held im Kolosseum. Millan ist schon lange kein Hundetrainer mehr. Er ist Hundetherapeut. Gepuscht durch seine erfolgreiche Hunde­flüsterer-Show im National Geographic Channel entwickelte er sich vom Hundedressierer über den Hunde­psychologen zu ­einer eigenen Marke (Cesar Millan, Inc.). Und das alles schneller als ein rennender Windhund. Millan wurde 1969 im mexikani­schen Culiacán ­geboren und ließ sich 1990 von einem Schlepper in die USA schmuggeln. Heute betreibt er ein Zentrum für ­Hundepsychologie im Süden von Los Angeles. In einer schäbigen Wohngegend, auf einem mit Maschendraht umzäunten Gelände von mehr als 8000 Quadratmetern Größe, leben die rund 30 Hunde seines Rudels. Sie helfen ihm bei der Rehabilitation von gefährlichen Beißern. Es sind Pitbulls darunter, Rottweiler, auch Deutsche Schäferhunde – was immer ihm anvertraut wird.

Mr. Millan, können Sie tatsächlich einem alten Hund noch neue Tricks beibringen?
Das mache ich dauernd. Jeder Hund kann umerzogen werden. Egal, ob er zehn, elf, zwölf oder 13 Jahre alt ist – Hauptsache, er ist im Kopf noch jung.

Was ist der größte Fehler, den wir mit Hunden machen?
Sie zu vermenschlichen. Wir benutzen sie für unsere eigenen emotionalen Bedürfnisse. Ein Hund weiß aber nicht, dass er in Beverly Hills wohnt oder wie viel Geld wir für ihn ausgeben. In Mexiko würde ein Hersteller von Tierfutter niemals so viel Geld machen wie in den USA. Dem Hund ist auch die Qualität der Leine egal. Ich benutze eine Kordel für 35 Cent. Es liegt an uns, was aus den Hunden wird. Tiere müssen sich, ihrer Art entsprechend, Futter und Wasser erarbeiten.

Was halten Sie davon, wenn ein Hund als Accessoire dient, wie eine Handtasche oder eine Sonnenbrille?
Accessoires signalisieren den Mitmenschen, wer man ist. Oder sein will. Das Mittel dazu kann ein Federschmuck sein, ein bemaltes Gesichter, ein Tattoo oder ein durch die Nase gezogener Knochen. Es ist nicht schlimm, wenn man einen Hund als Accessoire benutzt. In gewisser Weise tut das ­jeder Hundehalter. Aber wir sollten vermeiden, dass der Hund darunter zu leiden hat.

Warum fühlen Menschen sich zu gewissen Rassen hingezogen?
Weil sie das, was sie von anderen Menschen wollen, nicht bekommen. Also holen sie es sich von ihrem Hund.

Man legt sich einen Pitbull zu, weil...?
... er Stärke, Macht und Männlichkeit repräsentiert – so wie ein Ferrari. Oder ein großer Geländewagen.

Und einen kleinen, lockigen Pudel?
Weil er weiblich ist und dekorativ.

Also halten wir uns selber am anderen Ende der Leine?
Wenn ich in eine Wohnung komme, sehe ich den Hund und weiß, wie der Besitzer ist. Der Hund ist sein Spiegel.

Video: Sehen Sie Cesar Millan bei seiner Arbeit mit einem Weißen Deutschen Schäferhund zu:

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(NG, Heft 4 / 2011, Seite(n) 33-36)


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