Editor's Note Januar 2010

Die bionische Frau

Bild: Mark Thiessen Vergrößern

Amanda Kitts stellt sich vor, sie bewegte die linke Hand. Das aktiviert Muskeln in ihrem Armstumpf. Der Computer auf dem Rücken empfängt die elektrischen Signale und veranlasst die entsprechende Bewegung der Prothese. „Oft habe ich das Gefühl, dass mir überhaupt nichts fehlt“, sagt sie.

Es ist nun vier Jahre her, dass die Texanerin Amanda Kitts bei einem Autounfall ihren linken Arm verlor. Schlagartig konnte sie viele Dinge nicht mehr tun, über die wir in unserem Alltag meistens gar nicht nachdenken. "Ich fühlte mich verloren", erzählte die Lehrerin unserem Reporter Josh Fischman. Dann begegnete die frisch Amputierte dem Mediziningenieur Todd Kuiken. Er arbeitet am Institut für Rehabilitationstechnik in Chicago, wo er eine Methode entwickelt hat, Nerven in Arm- und Beinstümpfen mit der Elektronik moderner Prothesen zu verbinden. Nun wird Realität, was man vor 30 Jahren in Fernsehserien wie „Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann“ als Cyborgs bestaunte – kybernetische Organismen, Mischwesen aus Mensch und Maschine. Heute heißt das Bionik: eine Wortschöpfung aus Biologie und Elektronik. Todd Kuiken schuf für Amanda Kitts einen bionischen Arm. Andere leben mit bionischen Ohren, Augen oder Beinen. Sie können damit nicht, wie damals im Fernsehen, schneller rennen als Autos oder ihre Augen als Ferngläser gebrauchen. Doch für viele ist es wie ein Wunder, überhaupt wieder etwas sehen oder selber ein Brot schmieren zu können. Der Engländer Ray Edwards hatte bei einem Unfall beide Hände und Füße verloren. Vor einem Jahr wurde ihm eine bionische Hand angepasst. Als er zum ersten Mal die neuen Finger kontrolliert zu schließen vermochte, rief er: "Jetzt fühle ich mich wieder wie ich selbst." Auch das ist es, was die Bionik leisten kann: Menschen ihr Selbstwertgefühl wiederzugeben.

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