In der ökologischen Falle

Autor: Erwin Brunner; Jürgen Nakott  —  Bilder: Paul Schirnhofer

Sind sich die Chinesen des Problems bewusst?
Die Fachleute durchaus. Es ist für sie aber schwierig, ihrer Bevölkerung zu raten, dass sie weniger Fleisch essen und kleinere Autos kaufen sollen, als ihnen der Westen vorlebt.

Schreckensszenarien schrecken ab. Aber mit der Idee, auf etwas zu verzichten, kommt man auch nicht gut an, oder?
Bisher nur bei einer Minderheit. Es ist schwer, diese Einstellung zu fördern. Der Mensch ist immer noch ein instinktgetriebenes Wesen. Der Trieb fordert: Essen zur Selbsterhaltung und Fortpflanzung zur Arterhaltung. Beides wird durch Lustgewinn belohnt. Deswegen essen wir mehr, als wir brauchen. Gegen den Instinkt kommt unser Intellekt nur unzureichend an. Wir wissen zwar inzwischen, was wir tun und was wir lassen sollten. Wir tun es trotzdem.

Und was sollten wir tun?
Der erste Schritt könnte sein, dass wir uns bei allem, was wir tun, kurz die Folgen bewusst machen. Muss ich das Licht eingeschaltet lassen? Mit dem Auto zum Bäcker fahren? Schon wieder Fleisch essen? So eine Einstellung kann man aber nicht befehlen, dafür muss man ein Bewusstsein wecken. Und das eigene Handeln reicht nicht, wenn die Politik nicht die Rahmenbedingungen ändert.

Oder man reguliert es über den Geldbeutel.
Indem man zum Beispiel das Fleisch und die Energie durch „Ökosteuern“ teurer macht? Das würde zwar wirken, aber die soziale Ungerechtigkeit vergrößern, denn es trifft Wohlhabende weit weniger als Arme. Um unser System nachhaltig zu bewahren, letztlich auch zum Wohl jedes Einzelnen, müsste man solche Ungerechtigkeiten in Kauf nehmen. Doch das traut sich kein Politiker.

Der Impuls müsste also von uns – den Wählern – kommen?
Das wäre schön. Doch nach aller Erfahrung ändert sich erst nach einer Katastrophe wirklich etwas. Nehmen Sie das Beispiel Rinderwahnsinn: Aus Profitstreben haben Menschen den Kühen statt artgerechter Nahrung zer­mahlene Tierkadaver zu fressen gegeben. Die waren mit Krankheitserregern infiziert. Als dann nicht nur Rinder, sondern auch die ersten Menschen daran starben, brach der Fleischkonsum ein.

Aber nur vorübergehend.
Ja, die Lernfähigkeit und das Gedächtnis sind begrenzt. Und da wir selber nicht nach dem handeln, was wir wissen, wie können wir von anderen verlangen, sie sollten lassen, was wir ihnen vorgemacht haben?

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