«So etwas wie Gefühle kann man programmieren.»

Autor: Jürgen Nakott  —  Bilder: Andri Pol

Herr Professor Pfeifer, würden Sie sich von einem Roboter umsorgen lassen?
Auf jeden Fall! Ich war vor etwa zehn Jahren an einer Firma beteiligt, die den „Digital Butler James“ als Produkt verkaufte. Die Idee war damals aber verfrüht, die Firma gibt es nicht mehr.

Damals. Und wie sieht es heute aus?
Die Frage ist, was wir als Roboter bezeichnen: Zählen auch fahrerlose Transportmittel dazu, wie sie in London, Paris oder Nürnberg schon im Einsatz sind? Immer mehr Geräte erleichtern uns das Leben. Einige könnte man durchaus Roboter nennen. Das setzt sich fort, ohne dass wir es merken.

Bleiben wir bei den menschenähnlichen Robotern. Was macht ihre Entwicklung so schwierig?
Nehmen wir nur einmal die menschliche Haut – ein Wunderwerk mit hochempfindlichen Sensoren für Druck, Temperatur und Schmerz auf den Finger­beeren. Wasserdicht und selbstheilend. Der Haut ver­danken wir es, dass wir ein kaltes Bierglas richtig fühlen können. Um es in die Hand zu nehmen, müssen wir nicht einmal die Form genau kennen. Wir schließen einfach die Hand und die Finger mit einer gewissen Kraft drum herum. Das Gewebe auf den Fingerbeeren passt sich automatisch – ohne ­Steuerung vom Gehirn – der Form des Glases an. Was die Haut leistet, wird Ihnen erst bewusst wenn Sie versuchen, mit Fingerhüten an allen Fingern ein Glas zu ergreifen. Etwas, das Ähnliches kann wie die Haut, gibt es bei Robotern bisher nicht.

Warum werden überhaupt androide Roboter gebaut?
Das ist in unseren Genen. Was immer wir tun – wir reproduzieren uns darin teilweise selber: in einem Kunstwerk, wenn wir etwas schreiben, Kinder bekommen oder eben Roboter bauen. Für solche, die uns im Alltag beistehen, kann es eine gute Idee sein, sie menschenähnlich zu bauen. Dann muss man unsere Umwelt, in der ja alles für uns gemacht ist, nicht an sie anpassen. Indem wir versuchen, menschenähnliche Roboter zu bauen, können wir auch sehr viel über uns selber lernen, nach dem Motto: „Verstehen durch Nachbauen“. Es könnte allerdings auch sein, dass robotische Helfer, die eindeutig als Maschine erkennbar sind, eher akzeptiert werden.

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(NG, Heft 09 / 2011, Seite(n) 76)


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