Ferien in der Steinzeit

Autor: Kristina Vogt
Steinzeit: Freundinnen

Bild: Kristina Vogt Vergrößern

Alina und ihre Mutter teilen sich ein Stockbrot.

Hast du dir schon mal vorgestellt, wie es wäre, in der Steinzeit zu leben? Du würdest dein Haus und die gesamte Einrichtung selber bauen. Du würdest deine Kleidung selber machen und dein Essen über dem offenen Feuer kochen. Die 13‐jährige Alina Friedrich aus Hamburg tut das – und zwar sieben Tage lang jeden Sommer. „Wie soll das denn gehen?“ fragst du jetzt bestimmt. „Meine Mutter Tosca ist eine Altertumsforscherin“, erklärt Alina, „sie will herausfinden, wie die Menschen vor 7000 oder 5000 Jahren gelebt haben. Das geht am besten, wenn man es selber ausprobiert. Diesen Forschungsansatz nennt man „experimentelle Archäologie.“

Tosca Friedrich lebt mit Alina, Forschern und Studenten jedes Jahr für eine Woche im Freilichtmuseum Albersdorf inmitten eines Naturschutzgebietes in Schleswig‐Holstein – dort stehen Nachbauten von Gebäuden aus der Steinzeit. „Die Häuser waren nicht eingerichtet“, sagt Alina. Das änderte sich, als 2004 die Wissenschaftler der Universität Hamburg kamen: Sie haben Steinzeitbetten und Bänke nachgebaut, Töpfe und Arbeitsgeräte nach Art unserer Ahnen gemacht. Jedes Jahr kommen neue Gegenstände und Gebäude hinzu. Man versucht so zu werkeln wie damals – natürlich ohne Bohrmaschine. Werkstoffe sind Holz, Stein, Lehm und natürliche Färbemittel wie Rote Bete. Die vielen Besucher des Freilichtmuseums können unter der Anleitung der Forscher mitmachen. Sie dürfen im Dorf zwar nicht übernachten, können aber etwa Lederbeutel fertigen, Schmuck aus Knochen basteln oder Bogenschießen üben – und Alina ist immer mittendrin.

Steinzeit: Kochen

Bild: Kristina Vogt Vergrößern

Alina leistet Studentinnen beim Kochen Gesellschaft.

„Die Sachen, die ich hier mache, schenke ich meistens meiner Mutter, damit sie sie ihren Studenten zeigen kann“, sagt Alina. Und den Studenten kann Alina so einiges beibringen, denn sie ist länger dabei als sie alle. Seit dem Projektbeginn hat Alina ihre Mutter jedes Jahr ins Steinzeitdorf begleitet. Das erste Mal war sie erst sieben. „Ich war ein bisschen aufgeregt, aber alle waren supernett zu mir“, sagt Alina lachend. Sie kann inzwischen alte Tongefäße nachbauen, weiß, wie man Werkzeug aus Flintstein macht oder ein Haus errichtet. Die Hose, die sie trägt, hat sie auch selber gemacht. Da kann man fast neidisch werden, was? „Für mich gehört das zu den Ferien irgendwie dazu“, grinst Alina, „meine Freunde finden es eigentlich ganz cool. Klar gibt es ein paar, die die Augen verdrehen, aber eine Freundin von mir war auch schon mal mit.“

Das Steinzeitleben macht Spaß, aber nur im Sommer. Im Winter ist es kalt und dunkel. Damals hatte man keine Heizung, kein elektrisches Licht, wenig zu essen und musste sich gegen feindliche Stämme und wilde Tiere verteidigen.

Steinzeit: Hausbau

Bild: Kristina Vogt Vergrößern

Alinas Mutter (links) flechtet mit Forschern und Studenten eine Hauswand aus Weidenruten.

Auch zur warmen Jahreszeit ist Steinzeitmensch zu sein heutzutage nicht immer einfach – gut, dass im Dorf neuzeitliche Schokoriegel, Schlafsäcke und Spiele erlaubt sind. Es ist ja auch nur für eine Woche. Die übrige Zeit des Jahres ist Alina ein ganz normaler Teenager, sie geht ins Kino, macht Cheerleading, reitet und liest gern: „Langweilig ist mir hier im Dorf aber fast nie. Und wenn doch, dann gehe ich dahin, wo was los ist, und dann ist die Langeweile schnell wieder vorbei.“ Wenn Alina die Wahl hätte, würde sie sich für ein Leben in der Neuzeit entscheiden: „Die Menschen der Steinzeit waren aber bestimmt auch zufrieden. Sie konnten ja nicht wissen, was sie hier verpassen.“

Alina verabschiedet sich. Sie will über dem Feuer noch ein bisschen Stockbrot backen. Vielleicht triffst du sie ja mal im Steinzeitdorf. Für Besucher gibt es fast immer irgendwelche Mitmachaktionen. Und wenn gerade mal gar nichts los ist, kannst du dich auf dem großen Waldspielplatz austoben. Also, auf in den Steinzeitpark Albersdorf!

Steinzeitpark Albersdorf in Schleswig‐Holstein

Träger: Archäologisch‐Ökologisches Zentrum Albersdorf e.V. (AÖZA)
Eintritt: 0 bis 4,50 Euro
Geöffnet bis zum 6. November, im Winter sind Führungen buchbar.
Weitere Informationen zum Steinzeitpark findest du hier

  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus