Justus schlägt das Herz bis zum Hals. Unter ihm: der Abgrund. Über ihm: eine steile Felswand. Und das einzige Hilfsmittel, diese zu bezwingen, sind seine Hände, seine Füsse und ein Seil.
Dass sein Aufenthalt im Harz so aufregend werden würde, hätte der zwölfjährige Junge aus Göttingen nicht gedacht. Schließlich verbringt er hier eine Woche in einem Sprach camp. Büffeln, Vokabeln lernen, englische Texte lesen, kurz: ziemlich langweilig – so stellt man sich Sprachferien eigentlich vor. Aber zum Glück läuft das in Schierke, wo Justus gemeinsam mit 16 anderen Kindern und Jugendlichen aus ganz Deutschland eine Ferienwoche verlebt, ganz anders ab. Auf dem Stundenplan stehen auch spannende Dinge – etwa Klettern.
Justus streckt sich zu einem kleinen Felsvorsprung und zieht sich hoch. Gleich hat er es geschafft. Noch ein Ruck und er ist oben. „Very good“, lobt ihn Rachel, seine Sprachlehrerin, die mit zur Kletterpartie gekommen ist. Stolz steht Justus auf dem Granitfels und grinst dem Jungen, der nach ihm an der Reihe ist, aufmunternd zu. Der ist noch nicht von seinem Klettertalent überzeugt. „Alter, ich hab Angst“, raunt er seinem Kumpel zu. Was das wohl auf Englisch heißt?
In Englisch eine Niete
Justus zuckt mit den Schultern. „In Englisch bin ich eine glatte Niete“, gibt er zu. Das ist auch der Grund, warum er das Sprachcamp besucht. Jeden Morgen drücken er und die anderen deshalb vier Stunden lang die Schulbank. Justus hat vor allem Schwierigkeiten mit der Grammatik: „Das krieg ich nicht hin.“ Andere Kursteilnehmer, etwa die zehnjährige Isabel aus Bitterfeld, sprechen die Fremdsprache schon gut. „Ich bin eine Sprachmaschine“, sagt sie. Zum Glück sind die Aufgaben im Unterricht nicht dröge, so dass es auch für die anderen läuft wie geschmiert. Alex, der Sprachlehrer, hat der Gruppe eine besondere Aufgabe gestellt: Sie soll einen Film drehen. Justus ist Kameramann. Jan berichtet als englischer Reporter über den Tagesablauf im Sprachcamp: „Now we are having lunch“, sagt er – nun essen wir zu Mittag. Es gibt Königsberger Klopse. Wie soll er das nur übersetzen? Jan schaut ratlos. „Kingmountain Klopse vielleicht?“, schlägt Justus vor und fängt an zu lachen.
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