Bangkok: Der Schatz der goldenen Stadt

Autor: Daisann McLane  —  Bilder: Sylvain Sonnet/Getty Images
Bangkok Main

Bild oben: Der Chao Phraya ist die Lebensader Bangkoks.

Jeder Reisende kennt einen ganz besonderen Ort, eine Heimat weit entfernt von der Heimat. Bei mir ist dies die Altstadt von Bangkok. Seit Jahren besuche ich die Hauptstadt Thailands auf meinen Recherchereisen, doch eines fehlte mir hier immer: eine Unterkunft, in die ich gern zurückkehre. Ich übernachtete einfach in einer der unzähligen Absteigen für Rucksacktouristen und tröstete mich damit, dass ich ja sowieso jede wache Minute in den Gassen unterwegs sein würde. Trotzdem wunderte ich mich: Wieso hatte niemand bemerkt, dass die wohlhabenden, nur leicht verlotterten Wohngegenden nur darauf warteten, von Touristen erschlossen zu werden?

Bei einem Spaziergang durch Rattanakosin am Ostufer des Chao Phraya, dem alten Stadtzentrum um den Großen Palast herum, entdeckte ich ein schmales Holzhaus, das etwa einen halben Meter über der Straße und in einem Gewirr aus Bäumen, Kletterpflanzen und Blumenkübeln thronte. Auf der kleinen Tür ein Schild: „Samsen 5 Lodge“.

Mein Herz machte einen Sprung. Der Besitzer des Hauses, Worapan Klampaiboon, ist ein preisgekrönter Architekt und Designer – und Pionier einer Bewegung, die die verfallenen Altstadtgebäude in neue Gästehäuser verwandeln und erhalten will. Das ist Worapans Mission. Er veranstaltet Workshops, die immer ausgebucht sind. Bangkoks Altstadt ist schließlich voll von verlassenen Schulen, Lagerhallen und anderen öffentlichen Gebäuden, die vom Abriss bedroht sind. „Wir wollen den Tourismus in unsere Nachbarschaft integrieren“, erklärt Worapan. Er betont aber auch: „Es geht um das Leben der Menschen, nicht nur darum, alte Häuser zu retten.“

In den Sois, den kleinen Nebenstraßen Bangkoks, herrscht eine Atmosphäre der Leichtigkeit, die in einem neuen Luxushotel undenkbar ist. Worapan, der hier geboren und aufgewachsen ist, führt mich zu seinem Lieblingsrestaurant seit Kindertagen, nahe dem Sriyan Markt. Als sein Vater noch lebte, musste er in dem Laden nie für Essen bezahlen. Über einer Schale Suppe mit Fleischbällchen verrät er mir den Grund: Sein Vater arbeitete bei der Behörde, die die Immobilien der Königsfamilie verwaltet – und in einer von ihnen befindet sich auch das Restaurant. „Mein Vater sorgte dafür, dass die Pacht nie zu sehr stieg.“ Nur so gelang es dem Suppenimbiss zu überleben. Auf einmal verstehe ich, wieso die Viertel am Flussufer wirken, als wäre die Zeit eingefroren: Statt Immobilienmoguln regierte hier lange eine bedächtige Hand. Im Oktober verstarb der thailändische König Bhumibol nach 70 Jahren Regentschaft. Ein Jahr wird das Land trauern, dann besteigt sein Sohn, der von der Presse „Prinz Protz“ genannt wird, den Thron. Man wird sehen, welche Konsequenzen dies für die bescheidenen Häuser in den Sois von Bangkok haben wird.

LAGE
Thailand liegt zwischen dem 5. und 20. Breitengrad nördlich des Äquators. In der Metropolregion Bangkok am Golf von Thailand lebt ein Viertel der knapp 70 Millionen Einwohner. Südlich beginnt die Malaiische Halbinsel, die sich Thailand mit Malaysia teilt.

ANREISE
Flüge nach Bangkok gibt es von vielen europäischen Städten aus, auch direkt und von Billiganbietern. Die Flugzeit beträgt etwa zwölf Stunden.

REISEZEIT
In Bangkok herrschen das ganze Jahr Temperaturen um die 30 Grad. Am heißesten ist es von März bis Mai. Dann beginnt auch die Regenzeit, die ein halbes Jahr dauert. Am besten fährt man also in den Wintermonaten hin.


(NG, Heft 12 / 2016, Seite(n) 165 bis 168)
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