Brooklyn: Bücher und Bars

Autor: Nell Freudenberger  —  Bilder: Rudy Sulgan/Corbis Documentary/Getty Images
Brooklyn

Bild oben: Brooklyn ist ruhiger und billiger als Manhattan. Die Brownstone-Häuser in Park Slope stehen unter Denkmalschutz.

Brooklyn ist New Yorks coolster Stadtteil-und fühlt sich dank Cafés, lauschigen Ecken und vielen Kindern nicht an wie eine Mega-City. Die Autorin Nell Freudenberger liebt vor allem die Buchläden. Brooklyn ist bekannt für die vielen Schriftsteller, die hier leben: Die Stirn in Falten gelegt, sitzen sie hinter Laptops in ihrem Stammcafé. Sie tragen Kopfhörer, damit sie den Lärm der vielen Kinder nicht hören müssen, die überall herumlaufen. Mein Brooklyn liegt an der Schnittstelle von Schreibern und Schreihälsen.

Bevor ich herzog, fürchtete ich, für Brooklyn mit all seinen Hipstern nicht cool genug zu sein. Und ich war es auch nicht. Aber mir sind ohnehin ruhige Orte wie das Café Martin im neuen In-Viertel Park Slope lieber, wo der irische Besitzer Martin O’Connell wortkarg hinter dem Tresen steht. Sein Espresso ist der beste in der ganzen Gegend. Etwas weiter nördlich lockt das Blueprint mit einer ruhigen Terrasse im Hinterhof. Der „Dark & Stormy“-Cocktail mit Ingwerbier und Limone schmeckt einfach großartig, dazu esse ich ein Niman Ranch Pork Sandwich mit Rotkohlsalat und sauren Gurken.

An meinem Stadtteil mag ich vor allem die große Auswahl an Buchhandlungen: das helle und aufgeräumte Greenlight oder auch den Community Bookstore. Der ist zwar ein bisschen eng und muffig, hat aber eine besondere Kinderabteilung und einen Teich voller Schildkröten hinter dem Haus. Hier streckt sich auch mal die Katze Tiny auf dem Tisch mit den neuesten Romanen zum Schlafen aus. Wenn die Sonne scheint, gibt es keinen besseren Ort als den Prospect Park, wo ich mit meiner Familie gern in den Zoo gehe.

Bei Regen geht’s ins Brooklyn Boulders mit seinen bunten Felswänden, die für jeden etwas bieten, vom ernsthaften Kletterer bis zu ... mir und meinem Kind. Oder gleich zu Jane’s Carousel, einer alten Jahrmarktsattraktion, die an der Brooklyn Bridge geschützt unter einem Glas-Pavillon liegt. Bei Regen läuft das Wasser in Strömen die Scheiben hinunter und verschleiert den Blick auf die Schiffe, die den East River hinabgleiten.

Nur wenige Schritte entfernt liegt Berl’s, der einzige Lyrik-Fachbuchladen in New York. Die Besitzer, das Dichter- Paar Jared White und Farrah Field, verkauften früher dicke Gedichtbände auf dem Brooklyn Flohmarkt. „Aber es ist anstrengend, ein Baby dort mit hinzunehmen“, erklärt White – und das erinnert mich daran, dass auch Schriftsteller irgendwann erwachsen werden müssen. Brooklyn ist ein netter Ort für diese Lebensphase.

LAGE
Im Nordosten der USA am Atlantik.

ANREISE
Täglich Direktflüge ab Berlin, München, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Hamburg.

VISUM
Visumfreie Einreise nur mit dem elektronischen EU-Reisepassmöglich. Zusätzlich muss man sich im Internet anmelden: https://esta.cbp.dhs.gov/esta

REISEZEIT
Im Frühjahr und Herbst ist das Klima besonders angenehm.

TIPPS
In der Vorweihnachtszeit erstrahlt die Stadt im Lichterglanz.

UNTERKUNFT
Hotels in allen Preislagen unter nycgo.com

Einen weiteren Reisetipp über den Brooklyn Bridge Park lesen Sie hier.


(NG, Heft 9 / 2016, Seite(n) 147 bis 148)
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